Crowdfunding als Perspektive in der Filmfinanzierung [Blogparade]

Inspiriert durch die Arbeit an der geplanten Crowdfunding-Kampagne zum Kinderfilm Manusha – Die kleine Romahexe spiele ich seit Tagen mit dem Gedanken eine Blogparade zum Thema „Crowdfunding als Perspektive in der Filmfinanzierung“ zu starten.

Denn in den Kommentaren zum Artikel „Vorbereitung zur Crowdfunding-Kampagne – Dein Feedback ist gefragt!“ greift mein Twitter-Freund Spoxx dieses Thema auf:

„Ein ziemlich spannender Aspekt des Crowdfunding, der auch bisher nur ganz zaghaft diskutiert wurde, ist meines Erachtens die Mischung von öffentlicher Förderung und Crowdfunding.

Aus der Sicht der FilmemacherInnen ist die Sache natürlich klar: Ich nehm’ die Kohle woher ich sie kriegen kann.

Aus der Sicht der Unterstützenden sieht es für mich schon etwas zwiespältig aus:
Wenn ich eh’ schon (über Steuern) meinen Beitrag zur Filmfinanzierung leiste, warum soll ich dann noch privat zubuttern?
– Oder anders gesagt: Entlasse ich nicht dadurch die öffentliche Förderung ein Stück weit aus ihrer Verantwortung und Verpflichtung?

Kulturpolitisch gesehen habe ich Angst, dass der begrüssenswerte Gedanke des Crowdfunding auf diese Weise Gefahr läuft, über kurz oder lang von den öffentlichen Förderern vereinnahmt zu werden in dem Sinne:
“Wenn du öffentliche Gelder willst, beweise erst mal über eine erfolgreiche Crowdfunding Campagne, dass das Publikum deinen Film überhaupt will…”

Wenn ich dann noch einen Schritt weitergehe und auf die Szene des unabhängigen Films blicke, – d.h. auf Projekte, die von vorneherein nicht auf öffentliche Förderung zielen, weil sie jenseits des Mainstream, vielleicht zu trashig, vielleicht zu experimentell, vielleicht zu hermetisch, vielleicht zu idiosynkratisch sind oder sein wollen…
– ziehen die dann nicht wieder den Kürzeren, den Allerkürzesten?

Mit all dem will ich nicht sagen, dass wir FilmemacherInnen so eine Mischfinanzierung nicht als eine Art Fehlbedarfsfinanzierung nutzen sollten, wenn sie sich bietet; wie gesagt, wir müssen’s nehmen woher wir’s kriegen können.

Aber wir sollten schon Fragen an die Kulturpolitik stellen; und wir könnten auch überlegen, wie wir unsere Crowdfunding-Campagnen als Katalysator für den Aufbau einer solidarischen und selbstbewussten unabhängigen FilmemacherInne-Szene nutzen könnten.“

Dieser Kommentar zeigt sehr gut, welche Aspekte im Zusammenhang mit Crowdfunding noch kaum diskutiert wurden, aber immer wieder Thema bei diversen Panels, Seminaren und Festivals sind.

Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, eine Blogparade zum Thema „Crowdfunding als Perspektive in der Filmfinanzierung“ in die Wege zu leiten und alle Beiträge dazu zu sammeln.

Was ist eine Blog-Parade?

Erklärt wird es etwa auf http://blog-parade.de/ in den FAQ:

„Ein Blog-Karneval bzw. eine Blog-Parade ist eine Blog-Veranstaltung, bei der ein Blog-Betreiber als Veranstalter ein bestimmtes Thema festlegt (z.B.: Was ist Deine originellste Methode, eine Flasche Bier zu öffnen?), dieses als Blog-Beitrag veröffentlicht und die lesenden Blogger dazu auffordert, innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums (üblich ist ein Zeitraum von 1-4 Wochen) einen Artikel zu diesem Thema im jeweils eigenen Blog zu veröffentlichen und den Veranstalter entsprechend über die Veröffentlichung zu benachrichtigen. Spätestens nach dem Ablauf des vorgegebenen Zeitraums listet der Veranstalter des Blog-Karnevals in einem neuen Blogbeitrag alle eingereichten Artikel und kommentiert diese entsprechend, fasst diese zusammen und/oder vergibt z.B. Prämien für die besten oder etwa originellsten Artikel. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.“

Alles klar soweit?

So machen wir’s:

Bis 31.10. 2011 könnt ihr eure Sicht der Dinge entweder im eigenen Blog, als Kommentar zu diesem Beitrag oder auch in Form von Twitter-Nachrichten und Facebook-Kommentaren darlegen. Wer kein eigenes Blog betreibt, kann mir gerne einen Text schicken, den ich dann als Gastbeitrag hier veröffentlichen werde. Bis Ende des Monats sammle ich alle Beiträge und liste diese dann inklusive Link Anfang November hier in meinem Blog auf.

Dabei ist es wichtig, dass ihr eure Beiträge mit diesem Blog-Artikel verlinkt oder mich auf eure Kommentare aufmerksam macht. Dazu setzt ihr bitte einen Trackback oder Pingback zu eurem Artikel oder postet den Link dazu unter diesen Artikel als Kommentar.

Als Twitter-Hashtag schlage ich #BCFFF (Blogparade Crowdfunding Filmfinanzierung) vor. Andere Ideen sind willkommen 😉

Ich freue mich auf eure Teilnahme und auf rege Diskussionen!



21 Antworten zu “Crowdfunding als Perspektive in der Filmfinanzierung [Blogparade]”

  1. Super Idee. Ich bin dabei. Ich hoffe ein Blogpost auf Englisch wird auch akzeptiert!?

  2. Simon sagt:

    Super Idee, bin dabei! Mich würde interessieren, ob es zu diesem Thema auch schon Aussagen von Förderanstalten? Auf der co:funding wurde das ja angesprochen, kann mich aber nicht mehr erinnern, welche Aussage da gefallen sind.

    • gumpel sagt:

      Ibrahim Evsan hat die Idee geäußert, dass die Förderer noch einmal die Summe drauflegen, die man via Crowdfunding erreicht hat, oder so ähnlich…

  3. Erwin Göd sagt:

    Mein Kommentar geht wahrscheinlich knapp an der Sache vorbei – ich halte ihn trotzdem für möglicherweise wichtig. In Österreich (wie in der ganzen Welt) werden Menschen in Armut gehalten und immer mehr in die Armut gedrückt. Das heißt auch, „the crowd“ hat gar nicht mehr so viel zu geben. Vielleicht wäre es nötig, dass die, die noch die Möglichkeit dazu haben, Armut und die Mechanismen der Produktion von Armut in wenig kostenaufwändigen Filmen thematisieren. Zur Sprache („crowdfunding“): in deutschen Texten sollten auch deutsche Ausdrücke verwendet werden, Ausdrücke aus der Alltagssprache; dadurch wird das „Ding an sich“ klarer als wenn man sich an der distanzierten Sichtweise orientiert, die den Gesetzen der herrschenden Wirtschafts-„Sekte“ gehorcht und die viel Schaden in der realen Welt anrichtet.

    • gumpel sagt:

      Danke für den Kommentar! Nur ganz kurze Anmerkung zur Begrifflichkeit: Crowdfunding kommt von Crowdsourcing, zu Deutsch Schwarmauslagerung, und würde demnach mit Schwarmfinanzierung übersetzt werden. Ich persönlich empfinde das als ebenso verwirrend wie manch andere übersetze Begriffe aus dem Englischen. Ich habe dazu bereits an verschiedensten Stellen (Facebook, Blogs, Twitter, Seminaren etc.) mit Kollegen und Freunden darüber diskutiert. Mangels eines besseren Begriffes habe ich mich also dazu entschlossen, diesen so lange zu verwenden, bis ein besserer daherkommt 😉 Ich freue mich aber über deine/eure Vorschläge!

  4. Simon sagt:

    Ja, an diesen Vorschlag von Evsan kann ich mich auch erinnern, aber der ist ja nicht von der institutionellen Seite. Mich würde mal interessieren ob es wirklich eine Warhnehmung bei der Förderern in die Richtung gibt: „Da hat jemand schon ein Publikum und bringt auch schon Geld mit, dass ist ein professioneller Ansatz, den man unterstützen sollte…“ Das wäre zumindest meine Wunschvorstellung, dass sich so eine Denke bei den Förderern durchsetzt!

    • gumpel sagt:

      Ich glaub damals beim Filmfest Hamburg war eine Dame von der Förderung da, die das sehr begrüßt hat. Muss ich mal Simon fragen, der weiß da sicher noch mehr dazu!

  5. Und hier meine Meinung und Gedanken zu der Thematik im Kontext meiner aktuellen Crowd Funding Kampagne für den Kurzfilm Homophobia.

    http://irrationalrealm.com/2011/10/07/my-2-cents-on-crowd-funding-and-public-grants/

  6. Erwin Göd sagt:

    Wenn ich’s richtig verstehe, dann heißt „crowdfunding“, eine Menschenmenge für eine Geldgabe zu gewinnen. Das in einem Wort zusammenzufassen, ist schwierig aber vielleicht auch nicht unter allen Umständen nötig. (Das ist schon das Letzte, das ich dazu noch anmerken will; mehr Aufmerksamkeit verdient meine diesbezügliche Meldung nicht.)

  7. […] in der Facebook Gruppe Filmschaffende Österreich meinen Aufruf zur Blogparade zum Thema “Crowdfunding als Perspektive in der Filmfinanzierung” kommentiert und mir erlaubt, diesen hier als Gastbeitrag zu […]

  8. […] in der Facebook Gruppe Filmschaffende Österreich meinen Aufruf zur Blogparade zum Thema “Crowdfunding als Perspektive in der Filmfinanzierung” kommentiert und mir erlaubt, seinen Kommentar hier als Gastbeitrag zu […]

  9. […] Crowdfunding als Perspektive in der Filmfinanzierung [Blogparade] […]

  10. Kulturfinanzierung vs. Crwodfunding – heute in der Zitty: http://www.zitty.de/crowdfunding.html

    „Ist Crowdfunding also die Rettung für Berliner Kreative? In 2011 sind im Berliner Kulturhaushalt 884.000 Euro für die Förderung etwa von bildenden Künstlern, Literaten und Schauspielern eingeplant. Gleichzeitig explodiert die Zahl der Kreativen in der Stadt. Der bürokratische Aufwand für Förderanträge ist enorm – für beide Seiten. „Ob ein Vorhaben 500 Euro benötigt oder ein Infrastrukturvorhaben mit fünfstelligem Betrag finanziert wird, der Bearbeitungsaufwand ist bei uns absolut gleich. Kleine Projekte können wir deshalb oft nicht berücksichtigen“, sagt Tanja Mühlhans, Referentin für die Kreativindustrie bei der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen. Daher fördert die Senatsverwaltung eher Infrastrukturprojekte, die der gesamten Szene zuträglich sind, als Einzelprojekte.“

    • gumpel sagt:

      Danke für den Beitrag! Ich denke so wird nicht nur in Berlin Förderpolitik betrieben, passiert sicher auch in Österreich immer wieder. Crowdfunding bietet hier sicherlich neue Optionen!

  11. Bernie sagt:

    Hilfreich sicher die Tipps der initialen „Age of Stupid“ Crowdfunding-Aktivitäten: http://www.spannerfilms.net/how_to_crowd_fund_your_film – und dann immer wieder THOMAS MAI folgen quer durchs internet und YouTube, – Thomas ist inzwischen schon ein kleiner Guru zum Thema…

  12. […] wolkigste Satz in dem Kommentartext, den Wolfgang Gumpelmaier zum Anlass dieser Blogparade gewählt hat, steht im dritt-letzten Absatz: “…wie wir unsere Crowdfunding-Campagnen als […]

  13. spoxx sagt:

    „Crowdfunding und Bürgergesellschaft“
    http://www.spoxx.org/_tv/?p=205
    …ein paar nebulöse Gedanken…

  14. […] ist soweit, die Blogparade zum Thema “Crowdfunding als Perspektive in der Filmfinanzierung” ging gestern um Mitternacht endgültig zu Ende. Heute möchte ich euch die Liste aller […]

  15. […] socialfilmmarketing.com: Blogparade: Crowdfunding als Perspektive in der Filmfinanzierung […]

  16. […] in meinem Social Film Marketing Blog habe ich heute eine Blogparade zum Thema “Crowdfunding als Perspektive in der Filmfinanzierung” gestartet. Ausgehend von einem Kommentar im Blog zum Kinderfilm Manusha – Die kleine […]

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