Dokumentation über die ersten Taxifahrerinnen in Indien

Vor einigen Wochen habe ich auf CrowdFundBeat.de über das Dokumentarfilm-Projekt „Where to, Miss?“ gelesen. Neben der interessanten Thematik des Filmes – Frauen auf der Suche nach Gleichberechtigung – hat mich vor allem die Film-Webseite inklusive integrierter Crowdfunding-Funktionalität begeistert. Daher habe ich kurzerhand Kontakt mit Producerin Bianca Laschalt aufgenommen, die gemeinsam mit ihren KollegInnen an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert und dort im Rahmen des Studiums an dem Projekt arbeitet. Der Dreh zur Dokumentation ist abgeschlossen und seit April ist das Team wieder zurück in Ludwigsburg. Zwischen den Uni-Stunden hat Bianca dennoch Zeit gefunden, mit zu „Where to, Miss?“ ein paar Fragen zu beantworten:

where to, miss?

Wolfgang: Where to, miss? ist ein „Dokumentarfilm über Taxifahrerinnen in Indien“. Erzähl uns doch mehr darüber.

Bianca: „Where To, Miss?“ erzählt aus dem Leben der 22-jährigen Devki, unserer Hauptprotagonistin, die in Delhi lebt und sich am Ende ihrer Ausbildung zur Fahrerin befindet. Jeden Tag aufs Neue muss sie ihren Berufswunsch als Fahrerin zu arbeiten, vor ihrer Familie rechtfertigen. Als Devki schließlich zum zweiten Mal ihre Prüfung nicht besteht, hat sie große Angst vor der Reaktion ihrer Eltern. Ihre Eltern fühlen sich bestärkt, dass Taxi fahren für Frauen kein angemessener Beruf ist, außerdem ist es für Devki viel zu gefährlich nachts alleine mit dem Auto unterwegs zu sein.

Ein Jahr später, im März 2014, arbeitet Devki als Fahrerin für eine moderne Inderin. Ihr Leben hat sich auffallend verändert. Von ihrer Familie wird ihr Job nun akzeptiert, da sie diese mit ihrem Gehalt auch unterstützt. Da Devki nun aber einen neuen Freund hat, muss sie andere Konflikte mit ihrer Familie ausstehen. Devki möchte unabhängig sein und ein modernes Leben führen. Immer wieder wird sie jedoch durch die fest verankerten Traditionen in der indischen Gesellschaft vor neue Hindernisse gestellt.

Chandni ist unsere Nebenprotagonistin und ist die erste Taxifahrerin in Delhi. Sie befördert in ihrem Taxi nur Frauen und ermöglicht ihren Kundinnen auch nachts einen sicheren Heimweg.

„Where To, Miss?“ wird ein Dokumentarfilm über Frauen, die auf der Suche sind nach Anerkennung und Gleichberechtigung in der indischen Gesellschaft. Aktuell gibt es in der 11-Millionen Einwohner Stadt Delhi nur 13 weibliche Taxifahrerinnen.

Wolfgang: Wie lange arbeitet ihr an dem Film? Bzw. in welche Phase befindet ihr euch gerade?

Bianca: Die Idee zu dem Film entstand kurz nach der brutalen Gruppenvergewaltigung der indischen Studentin in Delhi. Im Januar 2013 haben wir mit der Recherche begonnen und sind auf die NGO „Azad Foundation“ aufmerksam geworden, die Frauen zu Taxifahrerinnen ausbildet. Insgesamt arbeiten wir also schon 1,5 Jahre an dem Film. Im April 2014 konnte der zweite Drehblock abgeschlossen werden. Momentan befinden wir uns in der Übersetzung und werden im Juni mit dem Schnitt des Films anfangen.

Wolfgang: Auf eurer Webseite betreibt ihr Crowdfunding in Eigenregie, also ohne Plattform. Was hat euch dazu bewogen?

Bianca: Wir wollten flexibler sein, insbesondere bei den individuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Durch die eigene Homepage konnten wir unser Projekt schon jetzt angemessen präsentieren und mussten uns nicht irgendwelchen Vorgaben einer Plattform unterordnen. Unser Motion-Desinger hat großartige Arbeit geleistet und ich glaube auch, dass das hochwertige und individuelle Erscheinungsbild auf der Homepage zum Erfolg der Crowdfunding-Kampagne beigetragen hat. Außerdem war es uns zu riskant auf einer Plattform mit dem „Alles-oder-nichts-Prinzip“ eine Kampagne zu starten, wir wussten das für uns jeder Euro zählt. Auf sämtlichen uns bekannten Plattformen bekommt man das Geld erst, nach Ablauf der Kampagnendauer, auch bei flexibler Finanzierung. Wir können nun selbst entscheiden, wie lange die Kampagne läuft. Aktuell haben wir über 50 % des Fundingziels erreicht, aber auch mehr als 5 Monate nach dem Start der Kampagne, gibt es immer noch Leute die neu von dem Projekt erfahren und uns unterstützen. Das gibt uns jetzt noch die Möglichkeit Geld zu sammeln, um die Darlehen und verlängerten Zahlungsziele zurück bezahlen zu können, sowie weitere Spenden für die Post-Produktion zu akquirieren.

Wolfgang: Welche Rolle spielt die Crowd generell bei diesem Projekt?

Bianca: Eine sehr große Rolle. Wir merken immer wieder an den Resonanzen auf Facebook, wie viele Leute an das Projekt glauben, es weiterempfehlen und wie viele Leute die einzelnen Beiträge mittlerweile erreichen. Natürlich hilft uns auch der Bekanntheitsgrad der Band „Milky Chance“ sehr weiter. Viele Spender erfahren durch die Band oder den Titelsong von „Where To, Miss?“, auch international. Wir sind uns natürlich bewusst, dass es ohne diese Zusammenarbeit viel schwieriger gewesen wäre, so viele Menschen zu erreichen und so viele Leute zum Spenden zu motivieren. Über 90 % der Spenden kommen von uns unbekannten Leuten. Dementsprechend würde ich sagen, dass die Crowdfunding-Kampange schon jetzt ein sehr großer Erfolg für uns ist.

Wolfgang: Aber es sind ja tatsächlich keine Spenden, sondern ihr arbeitet auch mit Prämien. Was bekommt man für den finanziellen Support?

Bianca: Genau, für die finanzielle Unterstützung bekommen die Crowdfunder als Dankeschön sogenannte Prämien. Schon ab 10 € gibt es zum Beispiel eine Erwähnung auf der Homepage, ab 25 € zusätzlich den Film als Stream und ab 50 € eine DVD. Die Beträge der Prämien verdoppeln sich meist, die höchste Prämie die wir anbieten gibt es für 10.000 €. Dafür bekommt der Unterstützer eine Erwähnung im Vorspann, 10 DVDs, ein Filmposter, einen Jahreskalender, ein Fotobuch und eine Einladung zur Premiere. Außerdem hätte der Unterstützer die Möglichkeit, den Film vor der Premiere zu sehen. Aber diese Prämie wurde bisher noch nicht ausgewählt 😉

Wolfgang: Unabhängig von der Finanzierung, nutzt ihr eure Community auch für andere Dinge, also z.B. zu Recherchezwecke etc?

Bianca: Nein, bisher haben wir damit noch keine Erfahrungen gesammelt. Aber natürlich lehnen wir den Input von außerhalb auch nicht ab. Sollte bei uns ein konkreter Bedarf bestehen, würden wir die Community um Hilfe bitten.

Wolfgang: Wie soll’s jetzt weitergehen? Was habt ihr hinsichtlich der Distribution geplant?

Bianca: Wir möchten die klassische Filmverwertungskette gehen und haben uns verschiedene Ziele gesetzt. Ein erstes Ziel ist es, die Premiere von „Where To, Miss?“ auf einem international anerkannten (Dokumentarfilm)-Festival zu feiern. Weitere Ziele sind es, einen Weltvertrieb und einen Kinoverleiher für den Film zu finden. Auch eine TV-Auswertung ist für uns wünschenswert. Wir möchten ja schließlich, dass der Film gesehen wird und nicht in der Schublade verstaubt. Natürlich denken wir auch über mögliche Internetverwertungsmöglichkeiten nach, aber erstmal müssen wir Schritt für Schritt vorangehen.

Wolfgang: Ich wünsche euch damit viel Erfolg. Danke für das Gespräch!



Eine Antwort zu “Dokumentation über die ersten Taxifahrerinnen in Indien”

  1. […] Auch Where to, miss? ist ein Dokumentarfilm, der via Crowdfunding realisiert werden konnte. Neben der interessanten Thematik des Filmes – Frauen auf der Suche nach Gleichberechtigung – hat mich vor allem die Film-Webseite inklusive integrierter Crowdfunding-Funktionalität begeistert. Mit der Producerin Bianca Laschalt habe ich deswegen ein Interview geführt, in dem ich einige interessante Dinge erfahren habe. Das Interview gibt’s hier: Dokumentation über die ersten Taxifahrerinnen in Indien. […]

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