Fonotune – eine „electric fairytale“ mit transmedialem Ansatz

Vor einigen Wochen bin ich auf die Kickstarter-Kampagne von Fonotune aufmerksam geworden, einer „electric fairytale“, wie es im Titel der Crowdfunding-Projektseite hieß. Mir gefielen sowohl Konzept, als auch Stil des Projekts, sodass ich es drüben bei gumpelmaier.net gleich zum Crowdfunding-Projekt der Woche machte. Nach kurzer Zeit hatte das Team das angestrebte Ziel von 33.000 Dollar erreicht und letztlich mit einer Summe von fast 43.000 Dollar beendet. Die Finanzierungskampagne ermöglichte dem Team nicht nur am Projekt weiterzuarbeiten, sondern öffnete u.a. noch andere Türen, wie mir Toby Fleischer, einer der Produzenten in einem Interview verraten hat:

fonotune cast

Wolfgang: Hi Toby, als einer der Produzent von „Fonotune“ kannst du uns doch sicher kurz etwas über den Film erzählen?

Toby: Bei „Fonotune“ handelt es sich um einen Independent-Science-Fiction/Arthouse-Film, der stark von japanischem Kino, Grafikdesign, Comics und Musik beeinflusst wurde. Es ist ein ungewöhliches Roadmovie, in dem wir drei sehr unterschiedliche Charaktere auf ihrer episodenhaften Odyssee am letzten Tag vor dem Weltuntergang begleiten: der stumme „Mono“ , die junge Prostituierte „Stereo“ und der Lo-fi Cowboy „Analog“ müssen eine Audiokassette an eine mysteriöse Person liefern und auf dem Weg dorthin passieren ihnen lauter verrückte Dinge in dieser merkwürdigen Welt, die kurz vor der Apokalypse steht.

Wolfgang: Diese Mischung der verschiedenen Einflüsse macht sich eindeutig im Stil bemerkbar. Wie geht ihr in filmischer Hinsicht an das Projekt heran?

Toby: Schon in der frühen Konzeptionsphase für den Film war uns klar, dass wir eine eigene Ästhethik, einen klaren Stil wollten, der die Welt in sich stimmig zusammenhält. Deshalb ist sehr viel Arbeit in das Design geflossen, von den Logos der Charaktere über das Farbschema bis hin zur Verwendung von filmischen Stilmitteln und der Musikauswahl. Wir wollten dass die Leute, wenn sie den Film zum ersten Mal sehen (oder auch nur einen Trailer oder Ausschnitte) unverbrauchte, frische Bilder vor sich haben, die neugierig machen, andererseits aber auch gerne auch etwas ungewohnt und sperrig rüberkommen dürfen.

Im Prinzip ist so durch sehr viel Detailarbeit ein eigenes „Fonotune-Universum“ entstanden, das auch nicht nur aus dem Film besteht, sondern durch Nebenprojekte wie Comics, Ausstellungen, Musikprojekte etc. ergänzt wird. Und auch in der filmischen Umsetzung war es uns dann wichtig, besonderen Wert auf die Drehorte und Schauspieler zu legen, damit diese merkwürdige futuristisch-minimalistische Welt in sich stimmig ist. Der Film soll ja einen märchenhaften Charakter haben, zu einer unbestimmten Zeit an einem unbestimmten Ort spielen. Gerade für das in der ersten Filmhälfte gewünschte fremdartige, urbane Chaos, durch das unsere Charaktere wandern, wollten wir deshalb auch unbedingt in Tokio drehen.

Wolfgang: Fonotune ist also ein Transmediales Projekt?

Toby: Ja, das könnte man sagen. Der Film ist dabei das „Centerpiece“, hier steckt sicherlich der meiste Aufwand drin. Aber es gibt eben diese interessanten Zusatzprojekte, die nicht einfach nur „Beiwerk“ zum Film sind, sondern durchaus für sich stehen, aber eben im gleichen Universum wie der „Fonotune“-Film spielen.

Zum Beispiel gab es dieses Jahr im Februar in Berlin während der Berlinale eine Kunstausstellung namens „FNTNISM“, in der Designobjekte, Grafiken, Bilder und Props wie die speziell entworfenen Getränkedosen, die in der Geschichte vorkommen, präsentiert wurden – zusammen mit einer eigens für die Ausstellung erstellten Videoinstallation. Und auch in Richtung der Comics aus der Fonotune-Welt wird noch einiges folgen in nächster Zeit!

Gerade diese Verschränkung verschiedener Medien finde ich wahnsinnig spannend und eigentlich bietet es sich ja auch an, wenn man schon so eine eigenständige Welt mit ihren Charakteren und Symbolen erschaffen hat, dass man auch versucht, diese auf verschiedenen Wegen zu erforschen und zum Leben zu bringen.

Wolfgang: Ihr habt auf Kickstarter Geld für das Projekt eingesammelt. Welche Erfahrungen habt ihr da gemacht?

Toby: Als wir vor einigen Jahren mit der Entwicklung von Fonotune begannen, war Crowdfunding der breiten Masse noch weitgehend unbekannt. Aber auch mit der stetig zunehmenden Verbreitung haben wir uns schon sehr genau überlegt, ob und an welcher Stelle in diesem Projekt wir Crowdfunding einbinden wollten. Denn gerade im Bereich fiktionaler Langfilm ist aufgrund der Höhe der erforderlichen Gelder und der langen Produktionsphasen eine komplette Finanzierung allein über Crowdfunding m.E. weiterhin schwierig.

Für uns war klar, wenn wir CF machen, dann nicht wenn das Projekt noch ganz am Anfang steht und wir selber noch nicht wissen, was wir in welcher Form und Qualität umsetzen können. Aber jetzt, wo ein signifikanter Teil des Films schon abgedreht ist und wir sowohl unseren Stil als auch die Technik und die Menschen dahinter gefunden haben, um unsere Vision umzusetzen, schien der richtige Zeitpunkt gekommen. Wir konnten den Leuten im Pitchvideo und der Kampagne eben schon einen Teil dieser bereits angesprochenen einzigartigen Bilder, Musik und Stilmittel des Films zeigen – die Fonotune-Welt war auch für Ausssenstehende sicht- und greifbar geworden. Ich glaube, nur mit Storyboards und Konzeptideen hätte dieses Feeling und der eigene Stil nicht so rübergebracht werden können und dementsprechend schwieriger wäre so eine Kampagne zu Projektbeginn gewesen.

Die Entscheidung für Kickstarter als CF-Plattform fiel dann hauptsächlich aufgrund der internationalen Ausrichtung bzw. Bekanntheit. Wobei Kickstarter an sich ja für deutsche Bürger (noch) nicht nutzbar ist, um eigene Kampagnen zu starten. Da wir aber eh mit einer US-Produktionsfirma zusammenarbeiten, ließ sich dieser Teil problemlos darüber abwickeln. Die Kampagne an sich lief wirklich gut, wir hatten schon nach knapp der Hälfte der Zeit unser Ziel erreicht. Wobei eben auch während die Kampagne tolle Dinge passiert sind wie die Zusage von Guitar Wolf Seiji oder dass das dt. Kultlabel Rapid Eye Movies die Verleihrechte erworben hat, das hat uns natürlich nochmal gepusht.

Was ich bei Kickstarter als Plattform weiterhin vermisse, ist die Möglichkeit, als Team eine Kampagne zu verwalten und nicht alles über einen Account laufen zu lassen. Auch sind die Möglichkeiten der sozialen Interaktion über das simple Nachrichtensystem relativ eingeschränkt, wie auch die allgemeine Vernetzung mit Freunden. Das betrifft aber auch andere CF-Plattformen am Markt. Überraschend finde ich (immer wieder) den hohen Anteil an mißglückten Abbuchungen am Ende einer Kampagne. Da muss dann innerhalb einer Frist von 7 Tagen eine Rücksprache mit jedem Backer gemacht werden. Aber letztlich hat auch das dann geklappt und das Crowdfunding ist für uns eine sehr positive Erfahrung gewesen!

Wolfgang: Du hast den Verleih durch Rapid Eye Movies angesprochen. Hattet ihr vorher schon Kontakt?

Toby: Rapid Eye Movies ist durch ihre Asien- und Arthouse-Ausrichtung für uns immer schon ein potentiell interessantes Label bzw. Vertriebspartner gewesen, weil wir auch große Fans vieler Filme sind, die dort erschienen sind. Und wir uns schon auch vorstellen konnten, da mit Fonotune stilistisch ins Portfolio zu passen. Kontakte waren zwar im Vorfeld vorhanden, aber auch hier wurden die Gespräche erst konkreter, als es wirklich was Stimmiges zum Vorzeigen von unserer Seite aus gab. Und das konkrete Einsteigen von REM bzw. die finale Zusage ist dann auch wirklich erst während der Kampagne passiert, das war echt eine tolle Sache!

Wolfgang: Glaubst du ist das ein vernachlässigter Nebeneffekt beim Crowdfunding – die Anbahnung von Kooperationen und Partnerschaften?

Toby: Zumindest ist es ein Teil, den ich bei den meisten Crowdfunding-Projekten oder Plattformen etwas vermisse. Meistens steht man dann doch nur als alleiniger Kampagnenleiter oder als kleines Team direkt der Masse an Backern gegenüber und es findet relativ wenig Kommunikation statt. Und gerade den Kooperations- und Partizipationsgedanken finde ich eigentlich recht gut, wenn man z.B. andere Leute oder Unternehmen mit an Bord holt, die ja dann wiederum ihre Anhänger mitbringen können etc. Das hat ja bei uns z.B. mit der Einbeziehung von „Guitar Wolf Seiji“ ganz gut funktioniert, da wurden einige japanische Fans von ihm erst auf unser Projekt aufmerksam. Auch das Thema Crowdsourcing, also die Einbeziehung und kreative Einbringung der Backer selber in ein Projekt finde ich oft spannend, wobei so was natürlich nicht für jede Art von Projekt geeignet ist.

Ich persönlich nutze Crowdfunding-Plattformen inzwischen auch ganz gezielt zum Networking, um mit interessanten Künstlern/Filmemachern/Firmen in Kontakt zu kommen, um dadurch evtl. zukünftige Projekte gemeinsam bestreiten zu können, sei es als CF-Kampagne oder auch außerhalb in direkter Kooperation.

Wolfgang: Jetzt wo ihr also die Aufmerksamkeit der Fans und Filmfirmen habt, wie soll es weitergehen?

Toby: Die Vorbereitungen für die finalen Drehtermine laufen momentan auf Hochtouren: überall werkeln unsere Leute an Props, entwerfen Sets, suchen Kontakte und planen und organisieren. Ab nächste Woche wird weitergedreht an verschiedenen Orten, damit wir den Film wie geplant bis Ende des Jahres im Kasten haben. Es wird natürlich auch noch nach Abschluß der Dreharbeiten immens viel zu tun sein, von Schnitt über Postproduction/Grading bis zum Soundmix und natürlich auch die Bereitstellung der Rewards für die Unterstützer. Aber das Team besteht aus gut abgestimmten Leuten, die schon durch viele stressige Situation gegangen sind im Verlauf dieses Projekts. Von daher wird es zwar harte aber eben auch superspannende Arbeit in den nächsten Monaten werden. Und wir fiebern natürlich ganz besonders dem Moment entgegen, wo wir den fertigen Film dann endlich auf der großen Leinwand für alle Fans und Beteiligten präsentieren dürfen! Ich freu mich drauf!

Wolfgang: Wir uns auch! Vielen Dank für das Gespräch!



2 Antworten zu “Fonotune – eine „electric fairytale“ mit transmedialem Ansatz”

  1. […] FONOTUNE – EINE “ELECTRIC FAIRYTALE” MIT TRANSMEDIALEM ANSATZ: Ich habe für mein SocialFilmMarketing-Blog mit Tobias Fleischer von Fonotune über das transmediale Filmprojekt gesprochen. […]

  2. […] Tag vor dem Weltuntergang begleiten”, verriet mir Toby Fleischer, einer der Produzenten, im Interview auf http://www.socialfilmmarketing.com. Dass es beim Crowdfunding angenehme Nebeneffekte gibt, beweist auch der Umstand, dass aufgrund der […]

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