#Nevrland: Transmediales Coming-Of-Age Drama aus Österreich [Interview]

Im Jahr 2012 habe ich den Filmemacher Gregor Schmidinger interviewt, nachzulesen im Artikel „Homophobia: Mit der Crowd zum fertigen Kurzfilm„. Schon damals hat er neue Wege betreten, um seinen Film fertigzustellen. Nun arbeitet Gregor an seinem ersten Spielfilm-Projekt mit dem Titel #Nevrland. Der Hauptteil finanziert sich über die traditionelle Filmförderung, transmediale Einzelteile will Gregor mit Crowdfunding realisieren. Im Interview erzählt er mir über das Projekt, die Herausforderungen und seinen Plan, diese zu meistern.

Wolfgang: Gregor, Nevrland ist dein erster Langspielfilm. Worum geht’s darin?

Gregor: Es geht um einen 17-jährigen Jungen der an unkontrollierbaren Angstattacken leidet und sich deshalb in fiktionale und virtuelle Welten zurückzieht. Eines Nachts trifft er in einem Camchat auf den vermeintlich perfekten 26-jährigen Christian. Dieses erste Aufeinandertreffen markiert den Beginn einer transpersonellen Reise zu den Wunden ihrer beider Seelen.

Ich bezeichne es gerne auch als ein tiefenpsychologisches Coming-Of-Age Drama welches sich mit den Themen Angst, Trauma, Isolation, Realitätsflucht und Projektion aber auch Verwundbarkeit, Mitgefühl und Heilung beschäftigt. Auch wenn die Geschichte nicht autobiografisch ist, so ist sie doch meine bisher persönlichste.

Wolfgang: In Bezug auf das Filmemachen gehst du immer wieder neue Wege. Was hast du dieses Mal geplant?

Gregor: Nach dem Nevrland eine transpersonelle Reise erzählt, bietet sich hier natürlich an transmedial zu arbeiten. Ich habe eine Vision für Nevrland, die mehr beinhaltet als „nur“ den Spielfilm. Bereits bei der Drehbuchentwicklung habe ich mir Gedanken gemacht, wie man den narrativ-filmischen Raum öffnen kann, sodass die Welt und ihre Charaktere auch in anderen virtuellen und physischen Räumen erlebbar werden. Diese Ideen sind aber noch in Rohform und sollen dann im Rahmen der Projektentwicklung auch weiter ausgearbeitet werden.

Wolfgang:  Stichwort: Projektentwicklung. Spielt die Crowd auch wieder eine Rolle in dem Projekt?

Gregor: Ja. Ich habe mit Homophobia sehr gut Erfahrungen gemacht, aber auch viel gelernt. Es ist wichtig, klar zu kommunizieren, dass dieses Konzept der Partizipation keinen basisdemokratischen Mechanismen unterliegt. Aber in dem man meine Ideen und Gedanken kommentiert und e.v. auch in einer Diskussion herausfordert, kann man das Projekt sehr wohl beeinflussen. Für mich ist es eine hervorragende Art und Weise Ideen zu testen, diese zu verdichten und zu schleifen.

Wolfgang: Du kombinierst bei Nevrland ja Crowdfunding mit traditioneller Filmförderung. Wie stellst du das an?

Gregor: Wir haben das für uns innerhalb der Produktion, aber auch gemeinsam mit den Förderstellen, bereits im Vorfeld abgeklärt, dass wir mit unseren Crowdfunding Kampagnen in erster Linie die Entwicklung und die Produktion der transmedialen Teilprojekte finanzieren, sowie zusätzliches Budget für den Aufbau der Online-Community erwirtschaften wollen. Es war von Anfang an klar, dass wir Crowdfunding nicht für die Produktion des Spielfilms, also statt der klassischen Filmförderung, einsetzen wollen. Wir sehen es eher als zusätzlichen Finanzierungskanal für Aspekte, die bisher noch nicht in der klassischen Filmförderung mit aufgenommen sind.

Nevrland

Wolfgang: Das bedeutet, dass die transmedia-Teile nicht Teil der Filmförderung sind?

Gregor: Richtig. Die Produktion des Spielfilms bleibt wie bisher klar Kompetenz der Förderstellen. Die Transmedia-Teilprojekte wie zB. ein Kurzfilm der eine andere Perspektive auf die Geschichte eröffnet, gehört zum Crowdfunding.

Wolfgang: Aktuell läuft ja eine Crowdfunding-Kampagne. Um welchen Teil des Projekts geht es dabei?

Gregor: Wir haben es „Chapter 1“ genannt und dabei geht es um die Projektentwicklung. Wie bereits erwähnt, geht es bei der Crowdfunding Kampagne nicht darum, Geld für die Produktion des Spielfilms selbst aufzustellen, sondern vor allem für die transmedialen Teilprojekte, die jetzt dann in der Projektentwicklung ebenfalls ausentwickelt werden sollen. Da ist z.B. ein Kurzfilm geplant, der einen Teil der Geschichte aus einer anderen Perspektive zeigen wird oder eine Ausstellung eines Charakters des Films.

Wolfgang: Du hast die Kampagne ja zweifelsfrei gut vorbereitet. Magst du ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern?

Gregor: Das hab ich bereits bei meiner letzten Kampagne für Project Homophobia gemerkt, dass es wichtig ist, eine Kampagne so gut wie möglich vorzubereiten, weil während die Kampagne läuft, hat man alle Hände voll zu tun. Das Wichtigste war natürlich, eine Community bereits im Vorfeld aufzubauen. Dafür haben wir uns bereits gut ein Jahr Zeit genommen. Die Community ist mittlerweile 35.000 Fans stark. Davon haben uns gut 5.000 ihre E-Mail Adresse gegeben. Das hat sich natürlich bei den Unterstützungen zu Buche geschlagen. Mittels Tracking-Code und Google Analytics können wir ja sehr genau nachvollziehen, woher die Unterstützer kommen und welcher Kanal den meisten Umsatz bringt. Natürlich sind die persönlichen Kontakte ein extrem wichtiger Anteil an den Unterstützern, der zweit wichtigste Kanal ist dann aber tatsächlich die E-Mail Liste geworden.

Wolfgang: Welche Rolle spielen Facebook und andere Kanäle? 

Gregor: Facebook hat eine wichtige Rolle gespielt, um das Publikum für den Film zu finden. Wir haben im Aufbau sehr stark mit Moodbildern gearbeitet, die ich bereits während dem Drehbuchschreiben gesammelt habe. Einer der wichtigsten Aspekte beim Aufbau der Online-Community war jedoch bereits relativ früh, die E-Mail Adressen von den wirklich interessierten Usern über eine Landingpage zu sammeln. Das hat sich während der Kampagne als einer der wichtigsten Kanäle herausgestellt. Ansonsten haben Facebook und Instagram eher eine Awareness- und weniger eine Conversion-Funktion.

Wolfgang: Was habt ihr als nächste Schritte geplant? Wie geht’s mit Nevrland jetzt weiter? 

Gregor: Jetzt geht’s dann in die Projektentwicklung. Einer der wichtigsten Aspekte hier wird das Casting werden. Wir brauchen zum einen einen österreichischen Darsteller im Spielalter von 17 Jahren, der die emotionale Bandbreite und die Entwicklung, die der Charakter des Jakobs durchmacht, auch darstellen kann. Zum anderen brauchen wir einen internationalen Darsteller für den Charakter des „vermeintlich perfekten Christian“. Für das Casting haben wir uns auch eine Aktion überlegt, wie wir die Community weiterhin mit in das Projekt einbinden können. Das wird auf alle Fälle noch spannend. In der Projektentwicklung möchte ich auch den Look&Feel des Films erarbeiten und einen ersten Mood Teaser drehen, bevor wir dann voraussichtlich im Herbst in die Herstellungsfinanzierung gehen.

Wolfgang: Klingt sehr vielversprechend, vielen Dank für das Interview!

 



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