Crowdfunding im Filmbereich

Eines der Themen der diesjährigen stARTconference lautet “Geschäftsmodelle im Web 2.0″. Dazu gibt’s momentan auch eine Blogparade, die ich zum Anlass nehme, um mir hier ein paar Gedanken zum Thema „Crowdfunding im Filmbereich“ zu machen.

Um die Begrifflichkeit erstmal zu erörtern: unter crowdfunding verstehe ich eine Projekt-Finanzierungsmöglichkeit mit Hilfe einer bestehenden (Web-) Community. Vor allem in den letzten Monaten habe ich immer wieder verschiedene Projekte im Internet beobachtet, die auf diese Weise erfolgreich (teil-) finanziert wurden, darunter Independent Filme, Distributionsplattformen, Start-Ups, Konferenzen etc.

Als eines der bekanntesten Beispiele sei wohl The Age of Stupid zu nennen, ein documentary-drama zum Thema Klimawandel. Die Regisseurin Franny Armstrong und ihre beiden Produzenten John Battsek und Lizzie Gillett launchten Ende 2004 ihre Kampagne und lukrierten damit bisher mehr als £885,000. Am 15. März 2009 feierte der Film in Großbritannien Premiere. Nebenbei erwähnt hat das Team mit Indie Screenings auch eine eigene Webseite für die Verbreitung des Films durch die Community installiert, womit ein ebenso innovatives wie erfolgreiches Modell zur Filmdistribution betrieben wird.

Einen anderen Ansatz verfolgen die Jungs von buy a credit. Sie verkaufen End-Credits, also Nennungen im Abspann des Films, um ihr Ziel von $ 2 Millionen zu erreichen. Ich habe über diese Film-Promotion via crowd-sourcing erst vor ein paar Tagen geschrieben. Auch diese Kampagne läuft ausgesprochen gut, vor allem durch die prominente Beteiligung so mancher Schauspielgrößen, wie Stephen Fry, Jude Law oder Rowan Atkinson.

Kieran Masterton und Arin Crumley (Four Eyed Monsters) haben sich die Entwicklung der Webseite für ihr Start-Up OpenIndie über eine erfolgreiche Kampagne auf Kickstarter finanziert. Kieran schreibt darüber im Carsonified Blog und beschreibt dabei  die verschiedenen Möglichkeiten und Features sehr gut, die unterschiedliche crowdfunding-Plattformen bieten.

Kickstarter beispielsweise folgt einem all-or-nothing Prinzip. Die gespendeten Beträge werden also nur ausbezahlt, wenn man sein Kampagnenziel, wie im Falle von OpenIndie $ 10.000, erreicht.

Anders arbeitet die Plattform IndieGoGo, auf der wir momentan mit FilmTiki eine eigene Fundraising-Kampagne am Laufen haben, mit der wir uns die Weiterentwicklung und das Redesign mit-finanzieren wollen (wir freuen uns natürlich sehr über euren Beitrag :-)). Hier gilt: alle Spenden werden ausbezahlt, auch wenn die angestrebte Summe nicht erreicht wird. 5% der Einnahmen nimmt IndieGoGo für eine erfolgreiche durchgeführte Kampagne, 9% wenn man sein Ziel nicht erreicht. Vor allem im Filmbereich hat sich IndieGoGo mittlerweile etabliert, wobei auch Projekte aus anderen Kunstsparten über die Plattform realisiert werden können.

Ein relativ aktuelles und, wie ich finde, sehr nettes Beispiel handelt von einer Dame, die sich ihren Trip quer durch Kanada crowdfunden ließ, um bei einer Schauspiel-audition teilnehmen zu können. Aber auch unsere Freunde vom Zeppelin Orchester aus Friedrichshafen verwenden die Plattform, um ihre Ost-Europa-Tour finanziell abzusichern.

Neben IndieGoGo und Kickstarter gibt es natürlich noch zahlreiche anderen Webseiten, die crowd-financing ermöglichen, etwa  Rockethub oder die erst vor Kurzem gelaunchte Seite InvestedIn. Weitere Beispiele zum Thema findet man zusätzlich auf http://crowdfunding.pbworks.com, auch das Science Fiction-Projekt Biracy ist einen Online-Abstecher wert.

Man sieht also, dass sich in Sachen crowdfunding einiges tut, allerdings gibt es noch keinen „golden path“, den man gehen könnte. So bleiben viele Fragen ungeklärt, zum Beispiel welche Motivation die Spender haben, ein Projekt zu unterstützen? Gibt es Limits in der Betragshöhe, die man lukrieren möchte? Was macht eine erfolgreiche Kampagne aus? Welche Risiken bzw. Nachteile können durch eine solche Kampagne entstehen? Gibt es rechtliche Bedenken oder sogar Beschränkungen?

Dazu gibt es einfach noch zu wenig aussagekräftiges Datenmaterial. Ich werde allerdings in den kommenden Monaten versuchen, diese und andere Fragen zu klären. Über eure Anregungen, Hinweise und Kommentare freue ich mich natürlich!



6 Antworten zu “Crowdfunding im Filmbereich”

  1. […] This post was mentioned on Twitter by FilmTiki. FilmTiki said: Crowdfunding im Filmbereich: http://gumpelmaier.net/2010/05/07/crowdfunding-im-filmbereich/ #stARTconference […]

  2. […] wenigen Tagen habe ich ja über Crowdfunding im Filmbereich geschrieben, unter anderem über die momentan laufende Kampagne von FilmTiki. Ich möchte nun hier […]

  3. […] few days ago I published a blog post about crowdfunding in the film industry on my other blog, and I also talked about our  current campaign. Unfortunatly I only published it […]

  4. […] eBook finden sich neben meinem Beitrag “Crowdfunding im Filmbereich” auch Artikel von den Mitorganisatoren Christian Henner-Fehr und Karin Janner. Hier […]

  5. […] Vorfeld der stARTconference gab’s auch einen Blog-Beitrag, den ihr hier findet: Crowdfunding im Filmbereich bzw. findet ihr ein paar weitere Blog-Posts zum Thema auf gumpelmaier.net. Related Posts:Wolfgang […]

  6. […] selbst habe dort übrigens einen Vortrag zum Thema Crowdfunding im Filmbereich gehalten. Die Präsentation ist natürlich bereits online, auf Vimeo gibt’s außerdem ein […]