Crowdfunding + öffentliche Förderung = Humbug

Regisseur Chris Dohr hat in der Facebook Gruppe Filmschaffende Österreich meinen Aufruf zur Blogparade zum Thema „Crowdfunding als Perspektive in der Filmfinanzierung” kommentiert und mir erlaubt, seinen Kommentar hier als Gastbeitrag zu veröffentlichen:

„Mich überrascht es jedes mal aufs neue, wenn ich feststellen muss wie wenig eigentlich die österreichische Bevölkerung vom Förderzirkus weiß und keine Ahnung hat wieviel an Steuergeldern jährlich investiert wird, geschweige denn weiß wieviele österreichische Produktionen es jährlich ins Kino schaffen. –> Werbeproblem

Das Problem, das hiermit nebenbei entsteht liegt auf der Hand: es entsteht kein Gefühl und auch keine emotionale Bindung (ums ganz pathetisch auszudrücken) zu den Filmen. Die entsteht durch Crowdfunding naturgemäß da du als Spender ja nicht jeden Mist unterstützt.

Crowdfunding und öffentliche Förderung miteinander zu verbinden halte ich persönlich für einen Humbug sondergleichen, vor allem beim jetztigen Stand der Dinge: höchster Schuldenstand seit langem, die Bundesländer sparen alle miteinander (die Stmk wird whs einen ihrer beiden Töpfe verlieren, das Fördervolumen damit auch um 50 % gesenkt – die Fetten Jahre sind vorbei!) und investiert wird eher nicht in Massentaugliches europäisches (um vielleicht mal eine autarke Industrie zu erschaffen, durch die wir langfristig ausnahmslos alle profitieren) sondern in Nischenwerke, die weder dem Standort noch der Filmwirtschaft Ö/EU was bringen sondern zur Selbstbeweihräucherung der beteiligten Filmschaffenden dienen. Die öffentliche Förderung ist in meinen Augen für viele Filmschaffende sicher ein einziger Glücksfall, da sie dadurch nicht ans Publikum denken müssen (weil sie nicht wollen oder nicht können?).

Worauf ich hiermit hinaus will liegt auf der Hand: in einigen Jahren wird uns öffentliche Förderung wie ein Luxus aus längst vergangenen Tagen vorkommen – und wir sollten uns deswegen neue, europäische Finanzierungsmöglichkeitensuchen. Gerade Crowdsourcing, die EU und das Web 2.0 bieten so viele neue Möglichkeiten endlich mal dem angeschlagenen Hollywood Paroli zu bieten und ein breitenwirksames, wettbewerbsfähiges, beherztes, junges und vor allem kommerziell erfolgreiches europäisches Kino mit einem Knall zu etablieren. Wir müssen mal ein bisschen größer denken: Österreich ist definitiv kein Markt – aber Europa ist einer! Und jeder der meint, die Sprache sei ein Problem… was machen denn die Amerikaner? Werden die meisten Filme nicht etwa synchronisiert? Wofür gibts eigentlich Synchronsprecher? Und ebenfalls dieses ewige Schwachsinnsargument, dass du bei Komödien hörst: „Humor ist nicht übersetzbar“. Aha. Amerikanische Komödien lassen also nicht weltweit die Kassen klingeln? Erzählts mir mal was neues & wahres…

Jedenfalls: ich halte Crowdsourcing für einen neuen und intelligenten Ansatz um Filme a) zu finanzieren und b) auch gleich Mundpropaganda werken zu lassen. Ein neues und zukunftsträchtiges Finanzierungsinstrument hätten wir hier schonmal, ob die Leute selbst bereit für den Erfolg sind wird sich weisen.“



Eine Antwort zu “Crowdfunding + öffentliche Förderung = Humbug”

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