Verlängerung der Crowdfunding-Blogparade

Anfang des Monats habe ich eine Blogparade zum Thema „Crowdfunding als Perspektive in der Filmfinanzierung“ gestartet, weil ich wissen wollte, wie ihr diese neuen Möglichkeit der Projektfinanzierung einschätzt. Aufgrund der Ankündigung einiger verspäteter Beiträge bzw. auch weil ich mich selbst noch nicht genauer dazu geäußert habe, habe ich mich für eine Verlängerung der Blogparade bis 15. November entschieden. Also ran an die Tasten und Beitrag schreiben. Ich gehe mal mit gutem Beispiel voran 😉

Kollege Spoxx wirft in einem Kommentar zum Artikel Vorbereitung zur Crowdfunding-Kampagne – Dein Feedback ist gefragt! auf der Film-Webseite zu Manusha – Die kleine Romahexe die Frage auf, wie es eigentlich mit der Mischung von öffentlicher Förderung und Crowdfunding aussieht. Tatsächlich haben sich mit diesem Thema schon ein paar Leute beschäftigt, unter anderem wurde es auf der Co:funding im April diskutiert. Ibrahim Evsan hat damals eine Idee zur Co-Finanzierung geboren: „Die privaten Gelder auf Crowdfunding-Plattformen werden von öffentlichen Förderinstitutionen gespiegelt (Bsp. 50% der Budgets von Crowdfundern, 50% von der Kulturförderung) oder ergänzt.“ Grundsätzlich wohl keine schlechte Idee, allerdings stellt sich die Frage, ob und wie die Förderanstalten sich mit dem Thema überhaupt beschäftigen. Simon von Artist & Audience formulierte es als Kommentar zum Blogparaden-Aufruf so: „Mich würde mal interessieren ob es wirklich eine Wahrnehmung bei den Förderern in die Richtung gibt: “Da hat jemand schon ein Publikum und bringt auch schon Geld mit, dass ist ein professioneller Ansatz, den man unterstützen sollte…” Das wäre zumindest meine Wunschvorstellung, dass sich so eine Denke bei den Förderern durchsetzt!“.

Die Wahrnehmung, wie ich sie bisher erlebt habe, beschränkt sich vor allem auf die Beobachtung dieses neuen Trends. Aber immerhin! In Gesprächen mit Vertretern von deutschen und europäischen Förderinstitutionen habe ich durchaus Interesse am Thema erkennen können. Allerdings traut sich keiner so richtig die Sache anzugehen. Wobei, das so nicht ganz stimmt, denn vor wenigen Tagen habe ich folgende Schlagzeile gelesen: Filmfonds Wien fördert Sci-Fi und Bud-Spencer-Doku. Für den besagten Bud Spencer- Dokumentarfilm von Karl-Martin Pold und Sarah Nörenberg wurde bereits zweimal Geld über die Crowd eingesammelt. Nun hat sich auch ein renommierter Österreichischer Regionalförderer dazu durchgerungen, das Projekt finanziell zu unterstützen. Sarah Nörenberg meint dazu: „Crowdfunding hat uns den Innovationsstatus verschafft. Ich denke, dass die Förderzusage aufgrund unserer innovativen Herangehensweise und der Tatsache, dass nicht nur das Thema selbst, sondern auch unser Partizipationsgedanke Leute anspricht, zustande kam.“

Grundsätzlich stellt sich für mich aber eigentlich nicht die Frage, wie man Crowdfunding mit öffentlicher Förderung mischen kann, sondern ob man das überhaupt tun sollte. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Ich sehe das ähnlich wie Birgit Schmidt-Hurtienne, die auf Kulturwirtschaftswege.de schreibt: „Ich glaube, dass Crowdfunding und die dahinterstehende Philosophie zunächst einmal einen viel größeren Bekanntheitsgrad erreichen muss“. Sie endet ihren Beitrag mit den Worten: „Aus meiner Sicht zeigen die aktuellen Entwicklungen auf den Crowdfunding-Plattformen, wie z. B. mysherpas und startnext, und viele erfolgreich finanzierte Projekte, wohin der Trend geht: »Wir brauchen keine Bank, wir können uns gegenseitig helfen«. (…) Crowdfunding wird also schon jetzt als Ergänzung zur staatlichen Wirtschafts- und Kulturförderung genutzt. Wird »die Politik« daraus folgern, dass sie Fördergelder entsprechend kürzen oder streichen kann? Solange staatliche Kulturförderung der Erkenntnis entspringt, dass Kunst und Kultur elementar für die menschliche Entwicklung und das gesellschaftliche Zusammenleben sind, hoffentlich nicht. Dass immer mehr BürgerInnen sich für Kulturprojekte auch privat finanziell engagieren, sollte für den Staat eher Bestätigung und Ansporn zur Fortsetzung und Intensivierung der Förderung sein. Zumal er selbst durch die aktive Beteiligung an positiven Entwicklungen und die Förderung des wachsenden Gemeinsinns nur profitieren kann.“

Crowdfunding kann also für alle Beteiligten positive Veränderung bringen. Steffen Peschel hat sich dazu auch bereits seine Gedanken gemacht: „Welche Vorteile würden sich aus der Kombination von Crowdfunding und “klassischer” Kulturförderung ergeben?„, fragt er. Gleich in seinem ersten Punkt „Crowdfunding ist eine Chance für Kommunikation“ stellt er eines klar: Crowdfunding ist weit mehr als Projektfinanzierung! Das kann ich nur unterstreichen. Gerade im Filmbereich ändern sich durch neue Medien nicht nur die Finanzierungsmechanismen, sondern auch die Produktions- und Distributionsbedingungen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, mit seinem künftigen Publikum zu kommunizieren und eine Beziehung aufzubauen. Crowdfunding kann dabei helfen, diese Beziehung zu intensivieren…

Was meint ihr dazu?



3 Antworten zu “Verlängerung der Crowdfunding-Blogparade”

  1. Peter Haas sagt:

    wir haben ein E-Buch geschrieben und gerade herausgebracht, einfach mal ansehen, ob das interessant sein könnte.
    Es ist unsere Erfahrung einer erfolgreichen Eigenvermarktung unseres Dokumentarfilms durch eine Filmtour, die letztlich fast 4 Jahre dauerte. Wir konnten etwa 5 Jahre von unserem Film leben und haben die Erfahrungen dieser erfolgreichen Community-Vermarktung in ein Buch gegossen. E-Book 4 Euro, Vorbestellung PrintBook ca. 18 Euro.
    liebe Grüsse aus Berlin
    Peter Haas

  2. […] selbst habe mich ebenfalls dazu geäußert und in meinem Beitrag Verlängerung der Crowdfunding-Blogparade (Anmerkung: in diesem Artikel habe ich auch die Verlängerung angekündigt und wollte mit gutem […]