Homophobia: Mit der Crowd zum fertigen Kurzfilm [Interview]

project homophobia

Der Österreichische Filmemacher Gregor Schmidinger hat für seinen aktuellen Kurzfilm „Homophobia“ von Anbeginn auf die Möglichkeiten des Social Web gesetzt. Unter anderem wurde der Film via Crowdfunding finanziert, den fertigen Film hat das Team konsequenterweise online gestellt und frei zugänglich gemacht. Ich habe mit dem Regisseur über den Film und seine Erfahrungen mit der Crowd gesprochen:

Wolfgang: Hallo Gregor, danke dass du dir für ein kurzes Interview Zeit genommen hast.

Gregor: Gerne, hallo.

Wolfgang: Dein Kurzfilm “Homophobia” hat für viel Aufsehen und positive Reaktionen gesorgt. Erzähl doch bitte kurz, worum es geht.

Gregor: „Homophobia erzählt die Geschichte von Michael, einem Rekruten im österreichischen Bundesheer, der sich in Raphael, einen seiner Kameraden, verliebt. Er selbst kann mit diesen Gefühlen in der übermaskulinen Umgebung des österreichischen Bundesheeres nicht umgehen. Hinzu kommt, dass er von einem weiteren Rekruten, der von seinem Geheimnis weis, tyrannisiert wird. Wir folgen Michael durch seine letzte Nacht an der österreichisch-ungarischen Grenze hin zur Selbstakzeptanz.“

Wolfgang: Du hast den Film ja sehr stark mit der Community entwickelt, unter anderem wurde er über Crowdfunding finanziert. Welche Erfahrung hast du dabei gemacht? Warum hast du Homophobia nicht auf klassischen Wegen realisiert?

Gregor: Ganz einfach weil der klassische Weg viel zu mühsam und langwierig gewesen wäre, ganz abgesehen davon auch nicht sicher gewesen wäre ob er überhaupt auf klassischem Wege in dieser Form hätte realisiert werden können. Da das Thema an sich schon eine sehr starke Community hinter sich hat, hat es sich natürlich angeboten die Crowd dafür zu aktivieren.

Wolfgang: Die Unterstützer deiner Crowdfunding-Kampagne hast du in eine geschlossene Facebook-Gruppe eingeladen. Was wurde dort diskutiert und inwiefern konnten sich die Supporter an diesen Diskussionen beteiligen?

Gregor: Ich wollte damit experimentieren den kreativen Prozess so transparent wie möglich zu machen. Ich wollte auch für mich die Grenze zwischen Input durch die Crowd und künstlerischen Integrität finden. Im Nachhinein betrachtet war es die beste Entscheidung die ich hätte treffen können. Auch wenn es ein Lernprozess war und dabei zwei Unterstützer das Projekt während der Entstehung verlassen haben, so hat Homophobia doch stark durch das Feedback und die Ideen der Crowd profitiert. Geteilt wurde im Grunde fast alles von den Casting Video bis hin zu Plakatentwürfen. Zu allen Themen konnte dabei Unterstützer der Crowd Funding Kampagne ihre Meinung abgeben und so das Endprodukt mit beeinflussen.

Wolfgang: Im Zuge des Crowdfundings erhielt man ja auch Einblicke in das Drehbuch. Letztlich hat es sogar zu Diskussionen geführt, weil das Ende des Films nicht so war, wie es im Drehbuch stand. Wie habt ihr auf die Kritik der Community reagiert?

Gregor: Nachdem es proportionale nur sehr wenige Stimmen waren die sich daran gestoßen haben (ab er eben sehr lauten Stimmen waren) war es für mich klar die Kritik zur Kenntnis zu nehmen, aber nicht weiter darauf einzugehen. Wie bereits vorhin geschrieben war es ein Lernprozess und so konnte ich am Anfang der Kampagne noch nicht exakt kommunizieren welchen Einfluss die Unterstützer haben. Das hat sich alles erst nach und nach herauskristallisiert. Aber mittlerweile denke ich hab ich den richtigen Zugang gefunden, sodass für das nächste Projekt das noch konkreter und intensiver genutzt werden kann.

(Das Ende hat dann doch so polarisiert, dass ich sogar Geld geboten bekommen habe um eine alternative Version mit dem Ende, so wie es im Drehbuch stand, zu veröffentlichen. Ich habe aber abgelehnt.)

Wolfgang: Vor, während und nach deiner Crowdfunding-Kampagne hast du ja auch immer wieder gebloggt und sehr viele Erfahrungen in deinen Artikeln weitergegeben. Wie wichtig ist es heutzutage als Filmemacher sich mit Sozialen Medien zu beschäftigen und andere an seinen Projekten teilhaben zu lassen?

Gregor: Ich denke dass das eine sehr gute Möglichkeit ist nicht nur selbst seine Gedanken und Erfahrungen zu ordnen und auszudrücken sondern dieses Wissen auch weiterzugeben. Ich selbst habe viele Blog Posts zum Thema Crowd Funding gelesen bevor wir unsere Kampagne gestartet haben und so wollte ich auf diese weise auch wieder etwas zurückgeben. Zudem entstehen immer wieder neue Kontakte, die einem wieder neue Möglichkeiten eröffnen. Und dann ist da natürlich noch das Marketingprinzip. Gerade die Zielgruppe kann so auf ein Projekt aufmerksam werden und dabei helfen es weiter hinauszutragen als man das selbst könnte.

Wolfgang: Gibt es schon ein nächstes Projekt? Wenn ja, worum geht’s?

Gregor: Ich bin gerade noch in der Ideenphase für mein erstes Spielfilmprojekt wo es als zentrales Motiv um die erste große Liebe, das Erwachsenwerden und das Seinen-Platz-im-Leben finden geht. Obwohl die Geschichte noch sehr wage ist weis ich aber jetzt schon dass die Möglichkeiten des Crowd Sourcing noch weiter erforschen und vertiefen möchte.

Wolfgang: Danke für das Gespräch!

Gregor: Danke dir.

HOMOPHOBIA (Short Film) from Gregor Schmidinger on Vimeo.



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