Zeit der Helden – Transmediale Serie auf ARTE [Interview]

Im Rahmen der Themenwoche „40+: Jetzt oder nie! – Fünf Tage Midlife und andere Katastrophen“ lief in der Karwoche (Vom 25. bis 29. März 2013) im SWR Fernsehen und bei ARTE die Serie „Zeit der Helden“. Ich selbst wurde durch einen Tweet sowie diverse Erwähnungen auf Facebook, unter anderem in der Social TV Gruppe, auf die Serie aufmerksam. Das Besondere daran: im Internet konnte man während der Zeit zusätzliche Stränge der Geschichte verfolgen und sich spielerisch mit den Charakteren auseinandersetzen. Hinter dem Konzept steckt Alexander Maximilian Otto Serrano (Amos), den ich kurzerhand zu diesem Experiment interviewt habe.

WOLFGANG: Hallo, Amos. Du zeichnest bei der jüngst ausgestrahlen ARTE Serie „Zeit der Helden“ für die Transmedia Konzeption und die Produktion verantwortlich. Worum geht’s bei der Serie?

AMOS: Thematisch geht es um die Midlife Crisis. Dafür haben Arte und SWR in der Karwoche eine ganze Reihe an Themensendungen aufgefahren und im Zentrum stand die fiktive Miniserie. Der Anspruch bestand hier darin, den Stoff nicht nur unterhaltsam in Echtzeit, sondern auch transmedial zu inzenieren. Da stellt sich mir immer die Frage: Welche zusätzliche dramaturgische Ebene können wir so inszenieren, dass es auch ein echter narrativer Mehrwert ist? Dabei setze ich mich immer genau mit dem gegebenen Format (hier: TV-Serie) auseinander um zu sehen, welche Aspekte man mit anderen Mitteln besser erzählen kann. Und filmische Erzählungen können nunmal nicht so tief in die Exposition gehen, wie viele Zuschauer es gerne hätten (Ausnahme: TV-Serien, die Staffelweise konzipiert sind. Bei Lost ist die Exposition durch Flashbacks beispielsweise zum Erzählprinzip gemacht worden). Hier haben wir das grösste Potenzial gesehen und eine Spurensuche nach verdrängten Erinnerungen angesetzt, die durch Gegenstände ausgelöst wird, die man live im TV entdecken kann. Der Zuschauer kann hier zum Spieler und gewissermassen zum Therapeuten der Serienfiguren werden.

Zeit der Helden - Spurensuche

WOLFGANG: Diese Spurensuche fand dabei online in verschieden Kanälen statt. Wie kann man sich das genau vorstellen?

AMOS: Transmedial bedeutet ja im Idealfall, dass man bewusst Mediensprünge inszeniert. Also vom TV ins Web, zu einem Buch, einem Live-Event, zu einer Radiosendung etc. Wir haben uns bei “Zeit der Helden” dagegen entschieden, da man in dem kurzen Inszenierungszeitraum von 5 Tagen nicht genügend Spieler dazu animieren kann, auf diesem Weg eine konsistente Geschichte zu erleben. Viele Besucher sind zudem das erste Mal mit diesem Erzählprinzip in Berührung gekommen. Deshalb haben wir unseren Fokus auf eine grosse Bandbreite von liebevoll umgesetzten Formaten gesetzt. Dreh- und Angelpunkt war die Website www.zeitderhelden.de (und das französische Pendant), auf der sich hinter den Profilen der Protagonisten der Serie eine Fülle von Gegenständen befand. Jeder Gegenstand taucht irgendwann im Verlauf der Serie auch so im TV auf. Man muss also in Echtzeit den richtigen Augenblick abwarten und kann dann hinter den Gegenständen verdrängte Erinnerungen freischalten. Das waren dann beispielsweise Kindheitserinnerungen in Form eines illustrierten Pixiheftes, Momente aus der Jugend in Form von kurzen Videovignetten oder ein Kreuzworträtsel, dass gelöst werden muss. So hat man sich Schritt für Schritt ein besseres Bild über die Motivationen und Prägungen der Figuren machen können.Diese Inhalte wurden dann auch über unsere Kanäle auf Facebook und Twitter ausgespielt.

WOLFGANG: Wie wurde dieses Experiment aufgenommen? Haben da eher Insider mitgemacht oder auch transmedia-Neulinge?

AMOS: Natürlich haben wir auch einige Leute angesprochen, die “vom Fach” sind oder schon alte Hasen als Spieler in Sachen Transmedia Experiences oder Alternate Reality Games waren, aber das war nicht die Zielsetzung. Wir sind ziemlich happy damit, dass die meisten Spurensucher (95%) echte Neulinge waren, die ihren Weg über die Story der Serie zu uns gefunden haben. So sollte es auch sein. Die grösste Gefahr bei transmedialen Inszenierungen ist ja, dass man mit seiner Erzählung in einem Expertenforum versauert.

WOLFGANG: Das Projekt war also ein Erfolg. Wie soll es jetzt weitergehen?

AMOS: Schauen wir ganz nüchtern auf die Einschaltquoten, war es leider kein Quotenhit. Es war aber ein Achtungserfolg für das deutsche Fernsehen und eine Innovation in Sachen moderne Narrative. Werfen wir einen Blick auf die Statistiken in Social Media sehen wir auch, dass transmediales Erzählen ein Publikum ins TV bringt, dass die Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr erreichen. Ich werte das Gesamtprojekt als Erfolg und auch die Verantwortlichen bei den Sendern haben deutlich gemerkt, dass sie mit solchen Formaten die richtige Richtung einschlagen. Wie es weiter geht? Ich bin mir sicher, in den nächsten Monaten werden wir mehr in dieser Richtung zu sehen bekommen. Ich bin offen für Anfragen von Produktionsfirmen und TV-Sendern 😉

WOLFGANG: Also gibt es noch keine konkrete Idee für eine Fortsetzung?

AMOS: Meines Wissens nicht. Zeit der Helden ist nicht als Serie über mehrere Staffeln konzipiert worden aber das kann sich ja noch ändern. Die Entscheidungswege im deutschen Fernsehen sind da ja ganz anders gestrickt, als das z.B. im US-TV ist. Wie gesagt: wir stehen da ganz am Anfang der Entwicklungen.

WOLFGANG: Was den Vertrieb angeht? Inwiefern ist das Konzept wiederholbar, z.B. auf einem anderen Sender?

AMOS: Prinzipiell ist das Konzept so angelegt, dass es replizierbar ist. Es wäre also durchaus denkbar, alles in eine App zu packen. Alle Inhalte auf zeitderhelden.de sind nach Ausstrahlung der Serie auf Null gestellt worden, so dass jeder, der die Folgen im Nachhinein gesehen hat, sich auch nochmal im Alleingang auf Spurensuche begehen konnte. Geplant ist momentan aber nur der Release auf DVD und was da die Verknüpfung mit den Transmedialen Inhalten betrifft, habe ich noch keine Info. Das betrifft auch die Lizensierung an andere Sender.

WOLFGANG: Das Angebot ist über die Webseite also auch in Nachhinein weiterhin abrufbar?

AMOS: Die Serie liegt in den Mediatheken, sowie unter zeitderhelden.de als 7-Tage Catch-up bereit (also 7 Tage nach Ende der letzen Folge). Mehr geht leider nicht im Öffentliche Rechtlichen TV.

WOLFGANG: Vielen Dank für das Gespräch!



2 Antworten zu “Zeit der Helden – Transmediale Serie auf ARTE [Interview]”

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