Das Bud Spencer Filmprojekt ist zurück – mit Mega-Community und Filmförderung

Ich habe Karl-Martin Pold 2009 kennengelernt, als er mich im Rahmen seiner ersten Masterthese zum Thema „Film und Web 2.0“ interviewt hat. In der Arbeit wollte er feststellen, inwiefern Soziale Medien eine Rolle spielen, wenn es darum geht, einen Dokumentarfilm zu bewerben. Sein fiktiver Beispielfilm: eine Doku über Bud Spencer. Schnell war Karl-Martin aber an dem Punkt, an dem er das Projekt gerne in die Realität umgesetzt hätte. Und so startete er ein Blog und rief dort via Button auf, mitzumachen. Denn er selbst hatte keine Erfahrung in Sachen Filmemachen, aber war (und ist) der festen Überzeugung: ein Film über Bud Spencer muss her. Mittlerweile hat er den Haudegen mehrmals getroffen und für seinen Film interviewt, ebenso Schlägerei-Kumpanen Terence Hill und viele andere. Und er hat viel gelernt, was Filmproduktion und Filmvermarktung angeht. Nach einer längeren Pause ist das Projekt BudSpencerMovie nun wieder auf Schiene. Grund genug, Martin zum Interview vorzuladen:

bud spencer karl martin pold

Wolfgang: Martin, du hast vor einigen Jahren mit viel Elan das BudSpencerMovie-Projekt gestartet. In den vergangenen Monaten war es ruhig. Warum?

Martin: Stimmt, ich habe mit viel Elan dieses Projekt gestartet und werde es mit noch mehr Elan weiterführen. Ja, es war jetzt sehr lange sehr ruhig um BudSpencermovie. Das lag daran, dass meine ehemalige Partnerin aus dem Projekt ausgestiegen ist und es daher noch rechtliche Sachen zu klären gab und wie so oft bei rechtlichen Geschichten sich sowas in die Länge ziehen kann. Doch jetzt ist alles gelöst und die wichtigste Nachricht – nach einem jahrelangen Kampf um Fördergelder ist es nun tatsächlich passiert. BudSpencermovie wurde vom ÖFI, also vom österreichischen Filminstitut gefördert. Nun kann es mit viel Schwung weitergehen und das Projekt nimmt jetzt wieder Fahrt auf.

Wolfgang: Obwohl ihr so lange weg wart ist eure Community gewachsen. Auf eurer Facebook-Seite habt ihr bereits über 145.000 Fans. Wie geht das?

Martin: Mittlerweile sind es sogar schon über 147.000 😉 Auch wenn das Projekt fast ein Jahr pausiert hat, wurde die Facebook-Community täglich betreut. Zwar konnte ich nichts über das Projekt posten, aber beim Thema Bud Spencer ist das auch nicht unbedingt notwendig. Es gibt viele Kultsprüche und die Fans lieben es, diese zu kommentieren und weitere Sprüche aus den Filmen hinzuzufügen. Somit bekommt man viel Traffic auf dem Fankanal, was wiederum zur Verbreitung beiträgt.

Dazu muss man auch sagen, dass es den Fanaccount auf Facebook seit 2009 gibt. Die ersten Jahre grundelten wir bei einigen Tausenden Fans herum. Erst 2014 setzte der Turbo erst richtig ein –  und plötzlich hatten wir wohl eine Art kritische Masse erreicht – denn dann ging es Schlag auf Schlag und wir bekamen täglich 1.000 Fans mehr. Im Social Media Ranking Österreich liegt BudSpencermovie aktuell auf Platz 120 von 5476 eingetragenen Marken – so etwas macht schon stolz.

Mit einem Posting erreichen wir direkt über 200.000 Menschen. Würden die alle ins Kino gehen, wäre der Film jetzt schon einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme in Österreich.

Wolfgang: Du hast mir mal erzählt, dass man bei der „Community-Arbeit“ aber gut aufpassen muss, sowohl was Tonalität, aber auch Inhalt angeht?

Martin: Ja das ist richtig. Fans sind überaus treu und sie verfolgen „ihr“ Projekt/Idol jahrelang und wollen natürlich immer alles wissen, was es zu berichten gibt. Aber sie sind auch sehr sehr kritisch. Postings, die nicht unmittelbar etwas mit Bud Spencer zu tun haben, werden da beinhart abgestraft. Als Beispiel: man sagt immer Sex sells – aber da muss man aufpassen. Ich hatte mal einen Werbeclip für unsere Budspencermovie T-Shirts gedreht. In diesem Clip sieht man 2 Mädels mit Budspencer Shirt, die sich leidenschaftlich küssen und am Ende mit Bohnen und Speck im Bett landen. Ich fand den Spot äußerst gelungen und witzig, aber die Fans verstanden das nicht. Man muss ein Kulturheiligitum wie Bud Spencer mit Respekt behandeln. Zu sehen hier – wenn man angemeldet ist. YouTube hat den Spot als zu anstößig empfunden.

Wenn es aber in der Tonalität passt, kann man Bud Spencer natürlich auch mit vielen kreativen Ideen kombinieren. Das Bild ist ein Beispiel, dass ich auf Facebook gepostet habe und einfach zeigen soll, dass man Bud Spencer auch z.B. mit Godzilla kombinieren kann, weil es thematisch passt. Das Kraftmonster Bud. Das funktioniert super und kommt gut an. Das sind oft auch Sachen, die ich nicht gephotohopped habe, sondern im Netz gefunden habe.

bud godzilla

Quelle: Basthard Design – https://www.facebook.com/BasthardDesign

Wolfgang: Du hast ja klein begonnen, mit Blog und Aufruf als Film 2.0-Projekt. Muss man heute als aufstrebender Filmemacher durchhalten können?

Martin: Naja – es hat fast 6 Jahre gedauert bis ich eine Filmförderung erhalten habe. So gesehen ja, man muss durchhalten. Begonnen habe ich ja mit quasi Nichts. Ich kannte nicht die richtigen Leute, hatte keinen Kontakt zu Bud Spencer und hatte keinen Plan, wie man ein Drehbuch schreibt oder eine professionelle Kalkulation aufstellt. Das ist ein langwieriger Prozess und viele Fans verstehen nicht, warum es solange dauert diesen Film fertig zu stellen.

Ich hatte 2008 einfach nur die Idee „Ich will einen Bud Spencer Dokumentarfilm machen“ – dass es so schwierig und so ein langwieriger Weg werden würde, mit dem hätte ich nie gerechnet und viele, die das Projekt kennen, meinen, man könnte über die Entstehungsgeschichte von Budspencermovie schon einen Film drehen. Und ich habe noch einen sehr weiten Weg vor mir. Denn ich habe ja nur eine Projektentwicklungsförderung bekommen und keine Herstellungsförderung. Aber es ist mehr als ein positives Signal – denn als gefördertes Filmprojekt kann man ganz anders arbeiten und hat viel mehr Möglichkeiten.

Aber um deine Frage zu beantworten. Ja, als Filmemacher muss man an sein Projekt glauben und durchhalten. Es gab auch bei mir oft den Punkt, an dem ich nicht mehr wusste, ob ich weitermachen kann. Man riskiert ja auch einiges. Entweder am Lebenstraum weiterarbeiten oder sich einen ordentlichen Job suchen und Karriere machen. Aber ich wusste von Anfang an, dass dieses Projekt enormes Potential hat und die vielen Fans, die ja täglich mehr werden, geben natürlich Unterstützung und Rückhalt.

Wolfgang: Die Filmförderung hast du ja angesprochen. Ihr habt davor aber schon drei Crowdfunding-Kampagnen gemacht. Wie geht das zusammen?

Martin: Unsere bisherigen 3 Crowdfunding Kampagnen sind ja aus der Not entstanden. Bud Spencer und viele seiner Freunde und ehemaligen Schauspielkollegen sind ja auch schon 80 und älter und da mussten wir einfach schnell reagieren. Ich konnte hier nicht warten bis zu einer Förderzusage, sondern wichtig war es, diese Leute so schnell wie möglich zu interviewen. Da haben sich die Crowdfundingkampagnen perfekt geeignet, um die Reisekosten zu finanzieren, da die Kollegen von Bud ja in ganz Europa verteilt sind. Um einen ganzen Film mit Crowdfunding zu finanzieren, sind wir in Europa noch nicht soweit. Selbst Iron Sky, der eine enorme Fanmasse hinter sich hatte, musste schließlich auf Filmförderungen hoffen, um die Kalkulation zu schließen.  Es tut sich zwar viel im Crowdfunding-Bereich und es ist ein boomender Markt, doch es wird wohl noch einige Zeit dauern. Wir Europäer haben da einfach eine andere Mentalität. Und zusätzlich bräuchte man einen starken Medienpartner oder einen Prominenten, der aktiv für das Projekt einsteht. Aber bei den vielen Gesprächen mit Filmproduzenten und auch den Filmgremien habe ich gemerkt, dass Crowdfunding noch nicht wirklich ernst genommen wird oder einfach völlig falsch eingeschätzt wird.

Ich denke aber in Zukunft wird Crowdfunding eine wesentliche Säule der Filmfinanzierung werden, neben den klassischen Finanzierungsmodellen wie Filmförderungen und Vorverkauf der Filmrechte an Kino und DVD-Vertrieben oder Fernseh-Ausstrahlungsrechten. Hier müssten die Produzenten aber jetzt schon Vordenken und sich Spezialisten holen, die sich nur um das Web 2.0 Marketing kümmern. Gerade bei Genrefilmen, aber auch bei Dokumentarfilmen mit speziellen Themen wird hier Werbepotential einfach nicht richtig genutzt und liegen gelassen.

Wolfgang: Was rätst du den Produzenten und Verleihen denn wie sie sich in Zukunft aufstellen sollen ?

Martin: Wie bereits erwähnt, sollten sie das „Fanpotential“, das es im Prinzip für jedes Thema gibt, aufgreifen – und zwar am Besten bevor der Film ins Kino kommt. Vor 2 Jahren betreute ich die Werbekampagne zum Kinodokumentarfilm „What happiness is“. Ein Film über das Königreich Bhutan. Dort ist im Gesetz verankert, dass jeder Mensch das Recht auf sein Glück hat. Das Thema Glück ist eines, dass jeden Menschen prinzipiell interessiert. So gibt es beispielsweise viele Facebookgruppen und sogar Institute, die sich speziell mit diesem Thema befassen. Diese Zielgruppe muss man nur mehr abholen und somit eine eigene Fangemeinde aufbauen. Weiters ist es wichtig mit den Medien umgehen zu können, um Aufmerksamkeit zu generieren. Man muss Ihnen eine Geschichte verkaufen, das ist das Um und Auf.

Für „What happiness is“ haben wir beispielsweise eine fiktive Partei/Bewegung gegründet, die Österreich dazu auffordert, dass wir ebenfalls ein Recht auf Glück haben sollten und dass wir einen eigenen Glücksminister fordern. Dazu gab es eine eigenen Homepage, ein Blog und weiterw Web 2.0 Kanäle. Und außerdem wurde in Wien eine eigene Plakatwerbung geschalten, die Aufmerksamkeit erregen und auf die Glücks-Homepage lenken sollten. Von dort natürlich wurde dann in weiterer Folge auch erwähnt, dass bald ein neuer Film ins Kino kommt, der sich genau mit diesem Thema beschäftigt. So wurde mit wenig Geld enorme Aufmerksamkeit erregt, sogar der ORF.at hat diese Story in die Hauptnachrichten gehievt. Der Film hatte im Endeffekt über 10.000 Besucher in Österreich und das ist als ein absoluter Erfolg für einen Dokumentarfilm in Österreich zu werten.

Ich rate also den Produzenten bereits bei den Dreharbeiten und sogar schon davor, sich Gedanken darüber zu machen, wie kann ich Fanpotential abrufen und aufbauen. In Hollywood ist das ja bei einigen Projekten schon Gang und Gäbe. Man kann für vergleichsweise wenig Geld sehr viele Leute ins Kino locken. Alles was man braucht ist kreative Ideen und den richtigen Umgang mit den Web 2.0 Tools.

Wolfgang: Sehe ich genauso. Nur manche tun sich damit noch enorm schwer, weil sie es nicht oder anders gelernt haben.Was tun?

Martin: Im Endeffekt müssen das ja die Produzenten selbst begreifen. Aber ich glaube nicht, dass die alte Riege das ernst nimmt oder sich ändern will. Da müssten dann schon Jüngere vorrücken. Bzw. Projekte, die eben nicht von Förderung leben können. Also im Prinzip Independent Geschichten, also Filmemacher, die eben keinen Produzenten haben oder es eben nicht schaffen, gefördert zu werden. Weil ich ja weiß wie schwierig es ist, im kleinen Land Österreich einen Film finanziert zu bekommen. Wenn man Filme plant, die mit wenig Budget realisiert werden können, dann hat man mit Crowdfunding oder Crowdinvestment neue Möglichkeiten, einen Film zu finanzieren und so zu verwirklichen.

Wolfgang: Wie soll es nun bei Bud Spencer Movie weitergehen? Was sind die nächsten Schritte?

Martin: Nun, ganz aktuell kann ich ankündigen, dass es im Herbst bereits die nächsten Dreharbeiten geben wird. Und zwar werden wir einen alten Schwimmkollegen bzw. eine ungarische Wasserball-Ikone Dr. György Kárpáti in Budapest besuchen. Er spielte gegen Bud Spencer alias Carlo Pedersoli mehrmals bei internationalen Meisterschaften und hat so einige Anekdoten zu erzählen. Ansonsten sind wir dabei ein neues Team aufzustellen denn BudSpencerMovie bleibt dem Web 2.0 Charakter treu. Sprich: wir suchen wieder leidenschaftliche Fans, die bereit sind, uns zu unterstützten und mitzumachen. Dolmetscher werden gerade akut gebraucht. Es gibt jede Menge Interviews, die es zu übersetzten gibt. Es gibt viele Baustellen und es gibt viel zu tun. Deshalb auch gleich hier der Aufruf – Join the Project. Be Bud of it!

Wolfgang: Danke Martin, viel Erfolg weiterhin!



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