Kino on Demand verlängert für Kinos die Wertschöpfungschancen

Im Rahmen der Vorbereitungen zur ikosom-FILM-CROWDFUNDING-DISKUSSIONSRUNDE BEIM CROWDDIALOG 2014 IN MÜNCHEN am 20. November habe ich mich mit Panel-Teilnehmer Christoph Mathieu unterhalten. Er erzählte mir u.a. von einem spannenden Konzept, das er gerade bei Rushlake-Media in die Umsetzung bringt: „Kino on Demand“. Also habe ich die Gelegenheit genutzt und ihn  gleich für ein Interview „verpflichtet“. Hier das Ergebnis:

Kino on Demand

Wolfgang: Du hast mir von einem Projekt berichtet, das sich „Kino on Demand“ nennt. Erzähl doch mal, bitte.

Christoph: „Kino on Demand“ ist ein Video on Demand-Service der Kinobetreiber. Das heißt, wir bieten mit Rushlake Media Kinos die Möglichkeit, neben ihrem regulären Filmprogramm auch ein Programm für zu Hause anzubieten – als Stream über die Kino-Webseite. Der Kinobetreiber kann so nach der Kinoauswertung Filme zeitgleich mit anderen Streaming-Anbietern für seine Kunden zur Verfügung stellen. So nehmen die Kinos länger als bisher an der Wertschöpfung eines Films teil.

Die Kunden erhalten vom Kino ihres Vertrauens ein kuratiertes Angebot für zu Hause. Das Kino wird zum lokalen Rundum-Filmanbieter und spricht einerseits Zielgruppen außerhalb des Kinos an, während andererseits kinobegeisterte Menschen an Video-on-Demand herangeführt werden. Wir denken, dass „Kino on Demand“ ein zukunftsweisendes Angebot ist: Schon bald werden Filme nur noch auf zwei Arten angeschaut werden – im Kino und als Stream. Daher stellten wir uns die Frage: Warum nicht beide Möglichkeiten unter einem Dach vereinen?

Wolfgang: Wie funktioniert das dann genau? Müssen die Kinobetreiber ihre Webseiten dafür umrüsten?

Christoph: Wir entwickeln zurzeit einen Player, der problemlos auf jeder Kinowebseite eingebunden werden kann und der auch mit wenigen Klicks dem Design der Seite angepasst wird. Rushlake Media rüstet gemeinsam mit den Kinos deren Webseiten auf. Der Player selbst ist zwar über die Kino-Webseiten erreichbar, die Filme liegen aber auf dem Server von Rushlake Media, von wo aus sie abgespielt werden.

Jeder Kinobetreiber kann aus einem Filmangebot – zu Beginn werden es etwa 50 Filme sein – individuell sein Programm gestalten und über den Player auf seiner Seite anbieten. Die Filme können über die Webseite auf allen Smart-TVs, Smartphones und Tables abgespielt werden. Wir entwickeln im nächsten Schritt aber auch Apps für alle Anwendungen, die einen Zugriff auf das „Kino on Demand“-Programm des lokalen Anbieters noch schneller ermöglichen.

Wolfgang: Das Angebot deckt sich dann aber nicht unbedingt mit dem aktuellen im jeweiligen Kino, oder?

Christoph: Nein. Das Programm von „Kino on Demand“ entspricht nicht dem Kinoprogramm. Filme dürfen außerhalb des Kinosaals immer erst nach Ablauf des so genannten Kinofensters ausgewertet werden. Das umfasst in der Regel zwischen vier und sechs Monate. Über „Kino on Demand“ haben Kinos nun also die Möglichkeit zusammen mit Anbietern wie iTunes oder Amazon selbst auch Filme, die nicht mehr im Kino laufen, zu veröffentlichen. So können sie online Filme zeigen, für die sie zwar noch ein Publikum haben, die sie aber im Kino nicht mehr platzieren können. Gleichzeitig können spannende Programmpakete angeboten werden: Etwa zu aktuellen Kinofilmen passende On Demand-Werke, die dann zusammen mit dem Kinoticket verkauft werden.

Wolfgang: Aber wäre es nicht auch spannend, eben hybrid mit einem Film zu starten? Aber eben auf einer quasi lokalen Ebene?

Christoph: In den USA, wo es kein gesetzlich definiertes Kinofenster gibt, finden sich einige Beispiele. In Deutschland ist es so, dass die Kinos „Filmveredler“ sind. Ein Film, der im Kino läuft, kann anschließend teurer weiterverkauft werden und hat eine Auswertung erfahren. Diese Rolle dürfen die Kinos sich nicht nehmen lassen. Eine so genannte Day and Date ist in Deutschland also nicht sinnvoll. Das heißt: neue Filme werden weiterhin exklusiv im Kino gezeigt und erst im nächsten Schritt über „Kino on Demand“ ausgewertet. Die Branche ist allerdings in starkem Wandel und steht noch vor ihren radikalsten Umbrüchen. Wer weiß, in einigen Jahren könnten sich durchaus ganz neue Auswertungsmodelle etabliert haben. Egal, was kommt: Mit „Kino on Demand“ werden die Kinos auf jeden Fall gut für die Zukunft gerüstet sein.

Wolfgang: Wie kann man als Kino bei eurem Programm mitmachen?

Christoph: Grundsätzlich kann natürlich jedes Kino bei „Kino on Demand“ mitmachen. Wir starten in der Testphase mit wenigen Kinos aus NRW. Während der Testphase werden wir aber immer mehr Kinos in das Programm holen. Über unsere Landing-Page http://partner.kino-on-demand.com/ können interessierte Kinobetreiber Kontakt zu uns aufnehmen.

Wolfgang: Wie kommt die Filmauswahl zustande? Können Kinobetreiber oder gar das Publikum Einfluss darauf nehmen?

Christoph: In erster Linie kommt die Filmauswahl durch unsere Zusammenarbeit mit den Verleihern zu Stande. Wir sind in sehr engen Verhandlungen mit den großen deutschen Verleihern und sind uns sicher, schon bald ein attraktives Filmangebot zusammengestellt zu haben. Aber natürlich werden die Kinos nur die Filme zeigen, die sie selbst auch zeigen wollen und werden künftig bei der Filmauswahl und beim Einkauf der Filme eng eingebunden werden. Das kommt auch dem Publikum zu Gute, denn das entscheidet sich ja für „Kino on Demand“, weil es dem Kinobetreiber und seiner Expertise vertraut.

Wolfgang: Was sind die nächsten Schritte? Ab wann können Kinos erstmals euer Produkt nutzen?

Christoph: Die ersten Kinos sind für die Testphase an Bord, die Verhandlungen über die Filmrechte sind in den letzten Zügen, auch die Technik ist so gut wie fertig und wird zurzeit auf Fehler geprüft. Wir werden in diesem Jahr so schnell wie möglich mit der Testphase beginnen. Anfang 2015 werden wir erste Ergebnisse präsentieren, dann wird das Projekt von der Test- in die Startphase übergehen.

Wolfgang: Wir sind gespannt. Danke für das Gespräch.

NOCH EIN HINWEIS: Gewinnt ein Ticket für den Crowd Dialog 2014 in München



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