AUGENHÖHE – Ein Creative Commons – Film über aktuelle Trends in der Arbeitswelt

„Selbstbestimmung, Partizipation, Potentialentfaltung – die Trends der neuen Arbeitswelt werden schon länger unter Experten und Interessierten diskutiert“, so heißt es auf der Webseite zum Film AUGENHÖHE. Wobei sich das Team hinter dem Film nicht nur für die Diskussionen, sondern auch die Umsetzung neuer Konzepte interessiert hat. Sven Franke und seine Kollegen haben daher Unternehmen mit der Kamera besucht, in denen viele dieser Trends bereits gelebt werden. Dass sie bei der Produktion von AUGENHÖHE selbst immer wieder neue Arbeitsansätze ausprobiert und optimiert haben, versteht sich von selbst. Ein Interview.

Das Augenhöhe Team

Wolfgang: Ihr habt mit AUGENHÖHE einen Film zu einem besonders aktuellen Thema gemacht. Worum geht’s?

Sven: AUGENHÖHE ist ein Film über die neue Arbeitswelt: eine, in der eine andere Art von Zusammenarbeit – eben auf AUGENHÖHE – gepflegt wird. Dazu besuchten wir Unternehmen, in denen so eine Kultur schon gelebt wird und die dabei ökonomisch sehr erfolgreich sind. Wir zeigen sozusagen Pioniere der neue Arbeitswelt aus ganz verschiedenen Branchen in ihrer täglichen Arbeit.

Wolfgang: Wie seid ihr darauf gekommen? Habt ihr einen Filmemacher-Hintergrund oder arbeitet ihr selbst in einem solchen Unternehmen?

Sven: Die Idee zum dem Filmprojekt ist auf einer Openspace Veranstaltung von intrinsify.me im Dezember 2013 entstanden. In einer Session diskutierten wir die Frage: Wie wollen wir im 21. Jahrhundert arbeiten. Im Laufe der Diskussion kam die Frage auf, ob man den angesprochenen Spirit des 21. Jahrhunderts in einer Organisation sehen kann. Hiervon waren wir sehr schnell überzeugt. Kurze Zeit später war die Idee des Filmes geboren. Fünf aus der Session (Ulf Brandes, Philipp Hansen, Silke Luinstra, Daniel Trebien und ich) sind einfach dran geblieben und bildeten das Kernteam des Projektes.

Unsere Hintergründe sind sehr unterschiedlich, deshalb nur zwei Beispiele. Daniel, unser Kameramann, begleitet Unternehmen u.a. in Entscheidungsprozessen mit der Kamera. Ich selber unterstütze mit Equity Change Management Unternehmen bei der Ein- und Durchführung von Mitarbeiterbeteiligung. Was uns aber alle eint, ist das starke Interesse an dem Thema New Work.

Wolfgang: Wenn man so will, habt ihr den Film auch sehr „offen“ produziert. Wie war eure Herangehensweise?

Sven: Ich glaube der Begriff„offen“ trifft auf ganz viele Punkte unseres Projektes zu. Aus meiner Sicht waren dabei einige der wichtigsten Aspekte:

  • Offenheit und Transparenz gegenüber der Crowd. Also die Bereitschaft die Cloud mit einzubinden, aber auch aktiv um Unterstützung zu bitten. So wurden uns unter anderem mögliche Drehorte (Unternehmen) vorgeschlagen. Über die Crowd sind aber auch die englischsprachigen Untertexte entstanden. Dies sind zwei Beispiele von ganz vielen.
  • Unsere Prozesse innerhalb des Teams. Ein konkretes Beispiel dafür ist die Basis der Zusammenarbeit auf Grundlage von agilen Methoden mit 14-tägigen Sprints. Das hat uns erlaubt alle 14 Tage notwendige oder gewünschte Korrekturen vorzunehmen, ohne aber das große Bild aus den Augen zu verlieren.
  • Bei unseren Drehs gab es im klassischen Sinne kein Drehbuch. Da für uns von Anfang an feststand, dass wir echte Zusammenarbeit zeigen wollen. Das bedeutet, dass wir keine Szenen wiederholen und nachdrehen. Somit mussten wir auch hier offen und sehr flexibel vorgehen z.B. bei den Interviews.

Wolfgang: Die Einbindung der Crowd zieht sich ja bis hin zum Release des Films. Wie haben eure Fans da mitgeholfen?

Sven: Aus unserer Sicht war es sehr wichtig die Crowd so früh wie möglich einzubinden. Angefangen haben wir schon vor dem Start der Crowdfunding-Kampagne. Unter anderem haben wir Reward-Ideen getestet. Jene Ideen, die keine Resonanz gefunden haben, haben wir auch nicht umgesetzt. Beispielhaft kann ich hier ein T-Shirt nennen. Diesen Weg, die Crowd aktiv einzubinden, haben wir nie verlassen. Unter anderem haben wir die Crowd nach möglichen Drehorten bzw. nach in Frage kommenden Unternehmen gefragt. Egal welche Aufgabenstellung wir hatten oder welche Unterstützung wir benötigten, wir haben Sie jederzeit bekommen. So hatten wir beispielhaft ehrenamtliche Unterstützung im Bereich Presse, Organisation und Social Media.

Da wir uns sehr früh entschieden hatten, das AUGENHÖHE unter einer creative commons Lizenz veröffentlicht werden soll und damit für nicht kommerzielle Zwecke kostenlos ist, haben wir die Crowd aufgerufen AUGENHÖHE – Film und Dialog Veranstaltungen selber zu planen und anzubieten. Wir stellen hier „nur“ die Plattform und bei Bedarf die Konzepte. Auch das funktioniert hervorragend. Inzwischen verzeichnet unsere Liste über 130 Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum. Da lag der nächste Schritt nah, international zu gehen. Am 1. April lief die erste Veranstaltung in Brüssel. Die dafür benötigte englische Untertitel-Version wurde auch von der Community zur Verfügung gestellt. 

Für uns ist es klar, dass dieses Projekt ohne die Crowd auch nach dem eigentlichen Crowdfunding nicht denkbar wäre.

Wolfgang: Apropos Crowdfunding: ihr habt ja über 50.000 Euro eingesammelt. Wofür wurde das Geld verwendet?

Sven: Erst einmal sind wir sehr dankbar, dass viele hundert Menschen uns unterstützt haben, den Film unter Creative Commons-Lizenz zum kostenfreien Download anbieten zu können, statt des üblichen Filmvertriebs. Von dem Betrag haben wir nicht nur einen Film über 14 Monate gedreht und produziert. Dazu haben wir den gesamten Kontext vom Konzept über Community-Aufbau, Social Media, Crowdfunding inkl. der Gegenleistungen, Verbreitung und Organisation der Veranstaltungskampagne aufgebaut.

Wolfgang: Was steht jetzt als nächstes an? Welche Pläne habt ihr?

Sven: In den nächsten Wochen werden wir den Film international ausrollen. Als ersten Schritt haben wir vor ein paar Tagen eine Version mit englischen Untertexten freigeschaltet. Folgen werden im Laufe der nächsten Wochen alle Weltsprachen. Aktuell werden die Untertexte hierzu in Brüssel aus der Community heraus übersetzt. Parallel dazu wollen wir neue Projekte wie „AUGENHÖHE macht Schule“ voranbringen. Hierzu werden wir in den nächsten Tagen erste Infos auf unseren Social Media Kanälen veröffentlichen. Es lohnt sich also dran zu bleiben. Eines ist sicher: uns lässt das Thema nicht mehr los und man wird noch einiges von uns hören. Also folgt uns auf Facebook und Twitter oder schaut auf unsere Webseite http://augenhoehe-film.de

Wolfgang: Vielen Dank, Sven. Das machen wir!



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