Die personalisierte Web-Doku „Do Not Track“ klärt über das Thema Online-Überwachung auf

Seit 14. April 2015 ist die neue Web-Doku „Do Not Track“ des Bayrischen Rundfunks online. Inhaltlich beschäftigt sich die internationale Ko-Produktion mit dem Thema „Online-Überwachung“ und nimmt die Zuseher dabei mit auf eine äußerst erhellende Reise. Denn ihre Daten werden während des Serienkonsums ebenfalls gesammelt und anschließend einsehbar gemacht. Auf diese Weise lernen sie nicht nur allgemeine Fakten kennen, sondern erfahren sozusagen am eigenen Leib, was alles im Internet mit dokumentiert wird. Christiane Miethge ist Projektleiterin von Transmedia-Produktionen beim Bayerischen Rundfunk und zeichnete u.a. als Ko-Autorin der dritten Episode verantwortlich, die diese Woche online ging. Ich habe sie zum Interview gebeten und sie hat mir freundlicherweise ein paar Fragen beantwortet:

donottrack

Wolfgang: Das Projekt „Do Not Track“ ist eine Koproduktion zwischen mehreren Ländern bzw. Sendern. Wie kam das zustande?

Christiane Miethge: Die Idee zu einer personalisierten Web-Doku-Reihe zum Thema Online-Überwachung hatte der Regisseur Brett Gaylor schon Ende 2012. Bei einem Treffen mit der interaktiven Produktionsfirma Upian wurde der Einfall dann weiterentwickelt und nahm schließlich beim Tribeca Hackathon in New York im Mai 2013 konkrete Züge an. Von da an ging es ganz schnell: Auch der deutsch-französische Fernsehsender ARTE, das National Filmboard of Canada (ONF/NFB) und der Bayerische Rundfunk begeisterten sich für das Projekt. Sie holten Journalisten aus ihren jeweiligen Ländern zum Projekt hinzu. Innerhalb eines halben Jahres erschuf das internationale Team in drei Sprachen über drei Zeitzonen hinweg sieben interaktive Episoden. Keine leichte Aufgabe, aber auch eine Explosion der Kreativität.

Wolfgang: Auf der Teaserseite heißt es: „Do Not Track ist eine personalisierte Web-Serie“. Was ist damit gemeint?

Christiane Miethge: „Do Not Track“ setzt auf das, was beispielsweise auch Google so erfolgreich gemacht hat: Personalisierung. Der Nutzer soll anhand seiner eigenen Daten verstehen, wer ihn im Internet überwacht und was das für Folgen haben kann. In der ersten Episode wird zum Beispiel automatisch angezeigt, wo sich der Nutzer befindet, welche Uhrzeit und wie das Wetter bei ihm ist und welches Computer-Modell er verwendet. Je nachdem bekommt er auf der Seite unterschiedliche Bilder angezeigt. Wenn er dann noch seine Lieblings-Webseite angibt, kann er sehen, wer ihn gerade im Internet überwacht. In einer späteren Folge kann er dann sogar selbst in die Rolle eines solchen Datenhändlers schlüpfen und mit seinen eigenen Daten spielen.

Wolfgang: Das bedeutet, Sie sammeln im Laufe der Serie auch Daten über mich? Was passiert mit den Daten?

Christiane Miethge: Die Daten werden für die Dauer des Projekts gespeichert, das heißt drei Jahre lang. Das liegt daran, dass wir nur so die Folgen auf den einzelnen Nutzer personalisieren können – und davon lebt das Projekt. Jeder Nutzer kann aber jederzeit seine Daten löschen lassen. Einfach auf der Seite www.donottrack-doc.de auf den Reiter „Ihre Daten“ klicken. Als angemeldeter Nutzer bekommt man dort sehr genau aufgelistet, welche Daten schon gespeichert wurden. Darunter ist, deutlich sichtbar, der Lösch-Button. Alternativ kann man auch eine E-Mail an contact@donottrack-doc.com schicken und um die Löschung der Daten bitten.

Wolfgang: Auf Deutscher Seite wird unter anderem Richard Gutjahr zu sehen sein. Welche Rolle spielt er in der Serie?

Christiane Miethge: Richard Gutjahr ist das deutsche Gesicht von „Do Not Track“. Außerdem hat er gemeinsam mit mir und mit Unterstützung von Sandra Marsch und Wolfie Christl die dritte Episode geschrieben (Veröffentlichung am 28.April). Wolfie Christl ist ein Datenhandelsexperte, der Do Not Track bei den Recherchen unterstützt. Durch seine fundierten Kenntnisse zum Thema Online-Überwachung sorgt er mit dafür, dass Do Not Track nicht nur technisch innovativ ist, sondern den Nutzern gleichzeitig relevante und aktuelle Information bietet.

Wolfgang: Mit der Web-Serie gehen Sie als BR auch wieder einen Schritt in Richtung Digitalisierung. Welches Ziel verfolgt der Sender damit?

Christiane Miethge: Der BR hat eine umfassende, trimediale Reform auf den Weg gebracht, um Hörfunk, Fernsehen und Internet noch enger zu vernetzen – dies wird im so genannten „BR hoch drei„-Prozess derzeit umgesetzt. Ziel ist also nicht, nur noch Web-Inhalte anzubieten. Es geht um eine größere Entscheidungsfreiheit für den Nutzer – er kann zunehmend selbst entscheiden, welches Angebot er auf welchem Medium nutzen will.  Dabei haben TV, Radio und Online jeweils unterschiedliche Stärken – und deswegen entstehen im Web auch ganz neue Formate, wie z.B. das interaktive und personalisierte Do Not Track. 

Wolfgang: Werden sich Inhalte in Zukunft überhaupt noch in einem Medium, z.B. im TV, abspielen?

Christiane Miethge: Fernsehen oder Hörfunk werden auf absehbare Zeit nicht verschwinden. Dazu sehen die Deutschen mit jährlich 240 min pro Tag im Durchschnitt zu gerne fern (Quelle: ARD-ZDF-Online Studie). Diese Zahl ist im Vergleich zu den letzten zwei Jahren zwar leicht gesunken – im Vergleich zu früher jedoch deutlich gestiegen. Im Jahr 2000 haben die Deutschen z.B. nur 203 min pro Tag vor dem Fernseher verbracht. Gleichzeitig hat aber die Internet-Nutzung kontinuierlich zugenommen, vor allem bei den jüngeren Zuschauern. Wir können also beobachten, dass beide Medien sich ergänzen und als „Angebotsmultiplikatoren“ fungieren, anstatt sich einander zu ersetzen. 

Wolfgang: Insofern sind Sie also auf einem guten Weg. Vielen Dank für das Interview!



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