Eine Doku über junge Mädchen, Musik, Erwachsenwerden

Mein Kollege Paul Rieth hat mich vor ein paar Tagen auf ein Projekt aufmerksam gemacht, das sich via Crowdfunding einen Dokumentarfilm finanzieren möchte. Mit starker Stimme – With a Strong Voice begleitet dabei einen Mädchenchor in Berlin und begleitet dabei vor dem Hintergrund der Musik die Mädchen beim Erwachsenwerden. Um die bestehende Crowd in das Projekt besser einzubeziehen können, hat das Team rund um die beiden Filmemacherinnen Stefanie Trambow und Cornelia Schlemmer kurze Web-Videos gedreht und sich via Crowdfunding neue Fans erobert. Regisseurin Stefanie hat mir zum Projekt ein paar Fragen beantwortet:

mit starker stimme

 

Wolfgang: Ihr dreht einen Film über einen Mädchenchor und das Erwachsenwerden. Wie kam es dazu?

Stefanie: Eine Freundin von mir arbeitet beim Mädchenchor der Sing-Akademie zu Berlin und hat schon vor Jahren gemeint, über diesen Chor müsste man mal einen Film machen. Mich hat dann der Aspekt des Erwachsenwerdens in einer solchen Gruppe am Meisten interessiert. Das ist ja die Zeit der Identitätsfindung in der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft. Die Arbeit mit der Stimme hat sehr viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun (seine eigene Stimme finden) und das Gefühl des Aufgehobenseins in der Chorgemeinschaft ist sicher in dieser Zeit eine wichtige Orientierungshilfe.

Also haben wir uns entschlossen, zunächst ein Projekt mit dem Chor zu machen, unterstützt vom Projektfonds Kulturelle Bildung Berlin. In diesem Rahmen haben wir in Kooperation mit der Bertolt-Brecht-Oberschule in Berlin Spandau und dem Komponisten Tobias Schwencke ein Schuljahr lang eine Reihe von Workshops durchgeführt. Es entstand ein Konzertprogramm unter dem Titel „Weil ich ein Mädchen bin“, zu dem wir mit den Mädchen Musikvideos produziert haben.

Weil die Reaktionen des Publikums auf dieses Programm und die Videos so begeistert waren, haben wir uns entschlossen weiterzumachen und die Geschichten des Chores und der einzelnen Mädchen in diesem Jahr dokumentarisch einzufangen. Im fertigen Film werden dann Konzertaufnahmen, die Musikvideos und die dokumentarischen Aufnahmen miteinander zu einem bunten Mosaik kombiniert. Im Laufe der Recherche haben wir nun festgestellt, dass es zwar viele Filme über Knabenchöre gibt, aber noch keinen über einen Mädchenchor. Diese Lücke wollen wir füllen und damit auch einen Beitrag zur Stärkung von Mädchen im Allgemeinen und Mädchenchören im Besonderen beitragen.

Wolfgang: Die Einbindung der Crowd spielt bei euch eine wichtige Rolle. Welche?

Stefanie: Wir wollen einerseits, dass der Mädchenchor und sein Umfeld – also die Chorleiterinnen, Stimmbildnerinnen, die Sing-Akademie und auch die Eltern und Freunde der Mädchen – das Gefühl haben, dass es IHR Film ist. Ein Film, der nicht ÜBER den Chor gemacht wird, sondern MIT ihm. Da haben wir schon eine recht große Crowd zusammen, die hinter uns und unserem Projekt steht, das tut gut.

Wolfgang: Wieso habt ihr euch für Crowdfunding entschieden?

Stefanie: Das hatte verschiedene Gründe: Erstens wollten wir so schnell wie möglich weitermachen, um an den Mädchen und ihren Geschichten dran zu bleiben, die wir schon kennen gelernt und angefangen haben zu dokumentieren. Filmförderung zu beantragen und zu bekommen dauert ja erfahrungsgemäß ziemlich lange. Zweitens wollten wir in diesem sensiblen Prozess der Gestaltungsfindung und auch des Vertrauensaufbaus mit so vielen jungen Protagonisten auch unabhängig bleiben von eventuellen Ansprüchen und Forderungen eines Fernsehsenders. Crowdfunding bot sich dann drittens noch an, weil man darüber auch schon frühzeitig die Möglichkeit hat, sein Zielpublikum zu finden und sogar einzubinden und auch Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt zu machen.

Wolfgang: Was habt ihr euch rund ums Crowdfunding einfallen lassen?

Stefanie: Wir haben vor allem viele Videos produziert: Wir haben unsere Unterstützer in Testimonials erklären lassen, was ihnen am Projekt gefällt, wir haben die Chormädels sich vorstellen lassen und wir haben die kleine Serie „Stärke Deine Stimme“ ins Leben gerufen, in der Chorsängerinnen und -leiterinnen Tipps zur Stimmbildung geben. Das ist vor allem auf Facebook auf sehr großes Interesse gestoßen und das werden wir wohl auch über die Kampagne hinaus weiter machen.

Wolfgang: Wie geht’s mit dem Projekt weiter?

Stefanie: Die Kampagne bei Indiegogo ist ja leider schon abgelaufen, aber man findet auf der Seite weiterhin zwei Möglichkeiten, wie man uns unterstützen kann. Man kann die Perks über unser Teamkonto kaufen oder an das Spendenkonto der Sing-Akademie überweisen. Vielleicht schaffen wir noch im Nachhinein die 100% (Bisher haben wir 11.546 von 15.000, sind aber im Gespräch mit potentiellen weiteren Unterstüztern)
Wir drehen noch bis Ende des Jahres und werden auch schon ab Sommer mit dem Schnitt beginnen. 2016 feiert die Sing-Akademie ihr 225. Jubiläum und der Mädchenchor wird zehn Jahre alt. Deswegen wird die Filmpremiere im Herbst 2016 bestimmt ein rauschendes Fest.

Wolfgang: Ich bin mir sicher, dass ihr das noch schafft! Viel Erfolg jedenfalls und danke für das Gespräch!



Kommentare sind geschlossen.